@phdthesis{kups1380, school = {Universit{\"a}t zu K{\"o}ln}, title = {Zwischen Stoa und Suq. Die S{\"a}ulenstra{\ss}en im Vorderen Orient in r{\"o}mischer Zeit unter besonderer Ber{\"u}cksichtigung von Palmyra}, author = {Marianne Tabaczek}, year = {2001}, abstract = {Die Arbeit ist in zwei Abschnitte, in eine Erfassung und Untersuchung der S{\"a}ulenstra{\ss}en Palmyras und Gerasas und in eine vergleichende Studie zu Genese, Realisierung und Funktionen der S{\"a}ulenstra{\ss}en im Vorderen Orient, eingeteilt. Palmyra steht in ihrem Mittelpunkt, da die aus der Oasenstadt {\"u}berlieferte Informationsf{\"u}lle eine Reihe von Ansatzpunkten f{\"u}r eine Untersuchung der S{\"a}ulenstra{\ss}en liefert. Gerasa bietet ein {\"a}hnlich dichtes Informationsspektrum, weshalb die Stadt als Vergleichsbeispiel zu Palmyra herangezogen wird. In beiden St{\"a}dten errichtete man die S{\"a}ulenreihen nicht stereotyp sondern in kleineren Gruppen und zwar zun{\"a}chst vor wichtigen Geb{\"a}uden (z. B. Tempeln) oder an repr{\"a}sentativen Punkten (z. B. Ortseing{\"a}ngen). Die R{\"u}ckw{\"a}nde der Portiken sowie ihre D{\"a}cher entstanden nicht immer gleichzeitig mit den S{\"a}ulen, wobei vor allem die zur Verf{\"u}gung stehenden Mittel und politische Konstellationen den Bauvorgang ma{\ss}geblich beeinflu{\ss}ten. Ein solches etappenweises Vorgehen beim Bau ist bei allen S{\"a}ulenstra{\ss}en des Vorderen Orients zu beobachten. Ihnen ist au{\ss}erdem ein f{\"u}r alle grundlegender Kanon mit einem relativ begrenzten Spektrum an Monumenten (vor allem Nymph{\"a}en, Tetrapyla und B{\"o}gen), die an den Stra{\ss}en eingesetzt wurden, gemeinsam. In allen St{\"a}dten s{\"a}umte man nur Hauptverkehrswege mit S{\"a}ulen, die von Ladenlokalen begleitet wurden. Im 1. Jh. n. Chr. gab es noch keine vollst{\"a}ndigen S{\"a}ulenstra{\ss}en, auch nicht in Antiochia am Orontes, wo man aufgrund von Textquellen eine erste S{\"a}ulenstra{\ss}e schon in augusteischer Zeit vermutete. Erst im 2. Jh. n. Chr. errichtete man in den St{\"a}dten des Vorderen Orients nachweislich die langen Kolonnadenreihen an den Stra{\ss}en, die sich aufgrund der dazu notwendigen Vorarbeiten und der Gr{\"o}{\ss}e des Monumentes in der Regel {\"u}ber mehr als 150 Jahre im Bau befanden. Wegen ihrer offenen Gestaltung erf{\"u}llten die S{\"a}ulenstra{\ss}en eine Reihe von Funktionen unterschiedlicher Natur. Sie dienten z. B. als Prozessionswege sowie als wirtschaftliches, gesellschaftliches und politisches Zentrum der Stadt; sie monumentalisierten die St{\"a}dte, setzten urbanistische Schwerpunkte und verliehen den Stra{\ss}en {\"u}ber l{\"a}ngere Strecken eine einheitliche Fassadenwirkung. Au{\ss}erdem dienten sie der Repr{\"a}sentation der St{\"a}dte und der Bauherren sowie der Vermittlung einer zeitlosen Stabilit{\"a}t und transportierten ab dem 3. Jh. n. Chr. wohl auch politische Machtanspr{\"u}che. Das Beispiel Palmyra, wo man in einer w{\"a}hrend der ganzen Kaiserzeit von einheimischen Traditionen nachhaltig gepr{\"a}gten Stadt eine der l{\"a}ngsten S{\"a}ulenstra{\ss}en errichtete, zeigt, wie sehr die Hervorhebung einer oder mehrerer Hauptachsen der Stadtgestaltung eigenen, in der nah{\"o}stlichen Kultur verwurzelten, urbanistischen Vorstellungen entsprochen haben m{\"u}ssen. Zur Umsetzung dieser Vorstellung setzte man die Bautypen ein, die aus dem hellenistisch-r{\"o}mischen Westen stammten, wie insbesondere die Stoai bzw. Portiken. Dabei ist jedoch nicht davon auszugehen, da{\ss} die S{\"a}ulenstra{\ss}en der einheimischen Bev{\"o}lkerung als Zeugnis einer multikulturellen Idee galten, f{\"u}r die absichtlich verschiedene Einfl{\"u}sse vermischt wurden. Sie stellten in der Kaiserzeit einen neuen Monumenttypus dar, der sich aus althergebrachten urbanistischen Vorstellungen und einem neuen Anspruch der Bev{\"o}lkerung, der aus den Impulsen eines politischen und kulturellen Umbruchs entstand, herausbildete. Sie entwickelten sich f{\"u}r die St{\"a}dte des Vorderen Orients zu einem urbanistisch wichtigem Gestaltungselement, das sie bis in die byzantinische Zeit pr{\"a}gte und das in der Folgezeit nach und nach zu den mittelalterlichen und neuzeitlichen Suqs der nah{\"o}stlichen St{\"a}dte umgestaltet wurde.}, url = {https://kups.ub.uni-koeln.de/1380/} }