%0 Thesis %9 Dissertation %A Friedrich, Klaus-Peter %D 2002 %F kups:952 %I Universität zu Köln %K HASH(0x558a5f7814c0) %K HASH(0x558a5f79b168) %T Der nationalsozialistische Judenmord in polnischen Augen: Einstellungen in der polnischen Presse 1942-1946/47 %U https://kups.ub.uni-koeln.de/952/ %X In dieser Dissertation werden die zwischen 1942 und 1946/47 in der polnischen Presse aufgetretenen Einstellungen in bezug auf den nationalsozialistischen Judenmord aufgrund einer repräsentativen Auswahl zusammengetragen, geordnet und in ihrem historischen Kontext analysiert. Die Anordnung erfolgt, was die Untergrundpresse unter der NS-Okkupation anbetrifft, nach sieben Lagern der politischen Widerstands, von der Heimatarmee und Regierungsdelegatur über die sozialistischen und rechtsnationalistischen Parteien bis hin zu den Kommunisten. Die unter den kommunistischen Machthabern seit 1944 erschienenen Organe wurden aufgeteilt in die ausgewählten zentralen und Parteiblätter, Zeitungen der kurzzeitig institutionalisierten Opposition der Bauernpartei PSL und die wichtigsten mit der katholischen Kirche verbundenen Blätter. Berücksichtigt wird darüber hinaus die antikommunistische Untergrundpresse. Im Ergebnis ist festzustellen, daß die Mitteilungen über den Judenmord unter der NS-Okkupation das breite Meinungsspektrum in bezug auf die "Judenfrage" widerspiegelten. Zugleich wird aber deutlich, daß die publizistische Aufmerksamkeit sich auf das Leiden der polnischen Nation konzentrierte - das der jüdischen Bevölkerung interessierte ganz überwiegend nur insoweit, als es sich zu jenem in Beziehung setzen ließ. Deswegen wurden die NS-Tötungszentren keineswegs stets als Orte des Judenmordes, sondern vielmehr als Menetekel einer vermeintlich bevorstehenden 'Polenvernichtung' angesehen. Diese Wahrnehmung des Judenmordes läßt sich auf die verbreitete Überzeugung zurückführen, daß nur die Polen Opfer seien. Juden wurden indessen nicht als Teil der ethnisch verstandenen polnischen Volksgemeinschaft betrachtet, der gegenüber unbedingte Solidarität geübt werden mußte. Für die Kommunisten und ihre Bundesgenossen war die politische Instrumentalisierung der NS-Verbrechen ein ideologisches Gebot bei dem Versuch, die Gesellschaft immer wirksamer zu beherrschen. Sie bedienten sich eines spezifischen 'Anti-Antisemitismus' und konfrontierten die den Kommunisten ablehnend gegenüberstehenden Gruppen - 1945/46 nach und nach unter dem Etikett einer staatsfeindlichen 'Reaktion' zusammengefaßt - ständig mit einem pauschalen Antisemitismus-Vorwurf. Zugleich war den neuen Machthabern daran gelegen, die nazideutschen Verbrechen im Land immer wieder aufzugreifen und die Berichte darüber mit möglichst hohen Opferzahlen zu versehen - zumal die jüdischen Opfer nicht selten als Teil der Polen- bzw. Slawenverfolgung vereinnahmt wurden. So fanden Juden in Berichten über NS-Verbrechen in Polen - und die Tatsache, daß es sich bei den Ermordeten überwiegend um Juden handelte - vielfach keine Erwähnung. Die legale nichtkommunistische Presse hatte kein großes Interesse, des Mordes an den Juden zu gedenken. Sie war teils nicht willens oder - angesichts der Zensur - nicht in der Lage, hier als Korrektiv zu wirken. In der Untergrundpresse kamen die auf einen heimlichen, 'fremden' Feind im Innern des Landes projizierten kollektiven Ängste vor der 'Judenkommune' (zydokomuna) wiederholt zum Ausdruck.