Universität zu Köln

Die USA und der Transformationsprozess in der 'Dritten Welt': Amerikanische Afrikapolitik am Beispiel von Ghana, 1950-1966

Becker, Wibke (2004) Die USA und der Transformationsprozess in der 'Dritten Welt': Amerikanische Afrikapolitik am Beispiel von Ghana, 1950-1966. PhD thesis, Universität zu Köln.

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    Abstract

    Am 6. März 1957 erlangte die Goldküste als erste Kolonie im subsaharischen Afrika die Unabhängigkeit. Dies war ein historischer Tag für ganz Afrika. Der Souveränitätswechsel in der Goldküste/Ghana markierte den Auftakt der Unabhängigkeitswelle in Afrika, die 1960 ihren Höhepunkt fand und die politische Landschaft in Afrika drastisch veränderte. Die Entwicklungen stellten auch die USA vor neue Herausforderungen. Seit dem erfolgreichen Kampf um die Unabhängigkeit von Großbritannien gilt der Glaube an die Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht aller Menschen als einer der Grundpfeiler des amerikanischen Wertesystems. Doch welche Rolle spielte dieses Bekenntnis zu einem universellen Freiheitsideal bei der Formulierung der amerikanischen Politik gegenüber der Dekolonisierung? Wie reagierten US-Politiker vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und der Segregation in den USA auf die Umbrüche in Afrika? Wurden die Veränderungen als eine Chance oder als eine Bedrohung wahrgenommen? Die vorliegende Dissertation bietet eine detaillierte Analyse der amerikanischen Politik gegenüber dem Transformationsprozess in Afrika, die in vieler Hinsicht neue Wege beschreitet. Am Beispiel der amerikanischen Ghanapolitik wird untersucht, wie US-Entscheidungsträger in den 1950er und 1960er Jahren den Veränderungen in Afrika begegneten, wie sie den Transformationsprozess zu steuern versuchten und welche Motive für ihre Initiativen verantwortlich waren. Besondere Priorität kommt dabei der Frage nach ideologischen Überzeugungen, Wertvorstellungen, Fremd- und Selbstbildern zu, welche die Haltung der amerikanischen Politiker beeinflussten. Um ein möglichst breites Bild der Entscheidungsprozesse innerhalb der US-Regierung zu gewinnen, werden nicht nur die Diskussionen innerhalb des State Department in den Blick genommen, sondern auch die Debatten in anderen US-Behörden wie der Agency for International Development (AID) oder der United States Information Agency (USIA). Gerade die Konzeptionierung der US-Auslandspropaganda, die in der Forschung bislang nur wenig beachtet wurde, läßt wichtige Rückschlüsse auf die Ziele der US-Politik und die Einschätzung der Entwicklungen durch die US-Regierung zu. Die Entwicklungen in der Goldküste/Ghana bieten sich aus einer Reihe von Gründen für eine repräsentative Fallstudie an. Als Vorreiter der Unabhängigkeitswelle zog die Goldküste früh das Interesse von US-Außenpolitikern auf sich. Die Erwartungen, Befürchtungen oder Hoffnungen, die die USA mit den Veränderungen in Afrika verbanden, kommen in den Diskussionen über die Entwicklungen in der Goldküste besonders deutlich zutage. Auch nach dem Souveränitätswechsel kam Ghana in den Augen amerikanischer Politiker eine Sonderposition zu. Der erste ghanaische Staatschef Kwame Nkrumah (1957-1966) entwickelte sich nach 1960 zu einem der wichtigsten Wortführer der Neokolonialismus-Theorie in Afrika. Mit seinem Einsatz für eine panafrikanische Union, für sozialistische Wirtschaftsreformen, eine Ausweitung der afrikanischen Beziehungen mit den Ostblockstaaten und eine einflussreichere Position der Entwicklungsländer in internationalen Organisationen zielte er auf einen Abbau postkolonialer Abhängigkeitsverhältnisse. Die Reaktionen der US-Politiker auf die Ideen und das Vorgehen Nkrumahs zeigen deutlich, welche Haltung die Verantwortlichen in Washington gegenüber Forderungen nach einer umfassenden Neudefinition des europäisch-afrikanischen Verhältnisses einnahmen. Trotz der wichtigen Rolle der Freiheitsideologie im amerikanischen Selbstverständnis engagierten sich die USA in der Auseinandersetzung zwischen Kolonialmächten und nationalen Befreiungsbewegungen weitgehend auf der Seite der Europäer. US-Politiker unterstützten einen graduellen, langsamen Machttransfer, der den europäischen Mächten genügend Zeit geben sollte, ihre Interessen trotz des formalen Souveränitätswechsels abzusichern. In ihrem Bemühungen um eine Eindämmung radikaler Kräfte, die eine sofortige und umfassende Übertragung der politischen Macht forderten, konnte die Europäer auf die Hilfe der USA zählen. Diese Politik fand ihre Fortsetzung in der Boykotthaltung der US-Regierung gegenüber den Versuchen afrikanischer Politiker, den Spielraum der neuen Staaten zu erweitern. Die US-Auslandspropaganda, die US-Entwicklungshilfe und Mittel der CIA wurde dazu eingesetzt, amerikanische Vorstellungen und Interessen in Afrika durchzusetzen. Der Glaube an die Vorbildlichkeit amerikanischer Ordnungsvorstellungen und Vorbehalte gegenüber Menschen afrikanischer Abstammung führten dazu, dass die meisten US-Politiker keinen Widerspruch zwischen ihrem Vorgehen in Afrika und öffentlichen Bekenntnissen zu einem universellen Freiheitsideal sahen.

    Item Type: Thesis (PhD thesis)
    Creators:
    CreatorsEmail
    Becker, Wibkewibke.becker@gmx.de
    URN: urn:nbn:de:hbz:38-13860
    Subjects: Geography and history
    Uncontrolled Keywords:
    KeywordsLanguage
    USA , Afrika , Ghana , Außenpolitik , DekolonisationGerman
    USA , Africa , Ghana , Foreign Policy , DecolonizationEnglish
    Faculty: Philosophische Fakultät
    Divisions: Philosophische Fakultät > Historisches Seminar
    Language: German
    Date: 2004
    Date Type: Completion
    Date of oral exam: 27 July 2004
    Full Text Status: Public
    Date Deposited: 28 Feb 2005 10:16:29
    Referee
    NameAcademic Title
    Dülffer, JostProf. Dr.
    URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/1386

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