Universität zu Köln

Kanada und die Gründung der Vereinten Nationen 1939 - 1945

Stipernitz, Boris (2001) Kanada und die Gründung der Vereinten Nationen 1939 - 1945. PhD thesis, Universität zu Köln.

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    Abstract

    Im Gegensatz zur bisherigen Historiographie, die dem kanadischen Außenministerium mit seiner „internationalistischen“ Politik zwischen 1939 und 1945 eine Vorreiterrolle zuschrieb, zeigt die vorliegende Dissertation, dass eine entsprechende Haltung auch von Eliten und der breiten Öffentlichkeit vertreten wurde. In der einschlägigen Historiographie wird die Ansicht vertreten, die kanadische Bundesbürokratie - besonders Außen- und Finanzministerium - habe hinsichtlich der von ihr propagierten „internationalistischen“ Politik zwischen 1939 und 1945 eine Vorreiterrolle gespielt. Kanadas „internationalistische“ Politik – die generelle Unterstützung der geplanten Weltorganisation der Vereinten Nationen und ihres zentralen Konzepts der „kollektiven Sicherheit“ – habe dabei auf zwei außenpolitischen Prinzipien beruht: einerseits auf der "Mittelmacht"-Doktrin über eine angemessene Berücksichtigung der „mittleren“ Mächte in internationalen Organisationen, andererseits auf dem eng damit verwandten „Prinzip der funktionalen Repräsentation“ (Repräsentation eines Landes in einer internationalen Organisation „proportionell“ zu dessen militärisch-finanziellen Beitrag zu der jeweiligen Organisation). Die vorliegende Arbeit zeigt im Gegensatz zu dieser Ansicht, dass die offiziellen Vorstellungen hinsichtlich des „Prinzips der funktionalen Repräsentation“ und der „Mittelmacht“-Doktrin entsprechende Überlegungen in der kanadischen Öffentlichkeit - besonders in akademisch-publizitischen Kreisen – widerspiegelten, die in führenden Tageszeitungen, Wochen-/Monatsmagazinen und Periodika ihren Niederschlag fanden. Die bisherige historiographische Glorifizierung der Bundesbürokratie als Avantgarde muss deshalb zugunsten einer ausgeglicheneren Betrachtungsweise aufgegeben werden, welche Ottawas Überlegungen im Kontext der zeitgenössischen Debatte interpretiert und bewertet. Die vorliegende Arbeit zeigt weiterhin, dass die traditionelle Charakterisierung der kanadischen Politik gegenüber einer neuen Weltorganisation als „Internationalismus“ irreführend ist, weil sie nicht weiter spezifiziert ist. Konventionelle Interpretationen implizieren entweder oder behaupteten explizit, dass die kanadische Außenpolitik die geplante Weltorganisation und die Konzeption der „kollektiven Sicherheit“ gleichwie vorbehaltlos unterstützt habe. Die vorliegende Dissertation weist dagegen nach, dass Ottawa die Konzeption der „kollektiven Sicherheit“ keineswegs vorbehaltlos unterstützte, sondern vielmehr auf einem „Mittelmacht“-Veto bei einer möglichen Verwendung kanadischer Truppen durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bestand. Kanada unterstützte also nur eine Politik der „selektiven kollektiven Sicherheit“ (Peter Gellman), indem es sich in sicherheitspolitischen Notfällen vorbehielt zu entscheiden, ob, in welcher Weise und wie weit es die Vereinten Nationen unterstützen würde. Neuere Untersuchungen zur kanadischen Politik gegenüber der United Nations Educational and Scientific Organization (UNESCO) zwischen 1946 und 1987 von Linda Goldthorp (1992), zu Ottawas Haltung während der Berlin-Krise 1948/1949 (Leigh Sarty 1989) und zur kanadischen Außenpolitik seit 1945 im allgemeinen (Costas Melakiopides 1998) haben für die traditionelle Bezeichnung „Internationalismus“ die Einschränkungen reluctant internationalism, limits of internationalism und pragmatic idealism vorgeschlagen. Dabei betonten diese Autoren die inneren oder äußeren „Hemmfaktoren“ des generellen kanadischen „Internationalismus“. Die vorliegende Arbeit dagegen schlägt die Bezeichnung „moderater Internationalismus“ vor, der die kanadische Politik gegenüber den Vereinten Nationen nicht nur für die Zeit vor 1945, sondern auch danach bis weit in die 1950er Jahre genauer und angemessener als bisher beschriebt. Diese verbesserte Terminologie trägt dem Umstand Rechnung, dass die kanadische Politik in der realistischen Einschätzung ihres innen- und außenpolitischen Umfeldes nie einen uneingeschränkten „Internationalismus“ befürwortete, der dann auf welche Weise oder aus welchen Gründen auch immer „gezügelt“ werden mußte. Vielmehr zog Ottawa schon von vorneherein klare und prinzipielle Grenzen in seiner Unterstützung der Vereinten Nationen.

    Item Type: Thesis (PhD thesis)
    Creators:
    CreatorsEmail
    Stipernitz, Borisborisstipernitz@gmail.com
    URN: urn:nbn:de:hbz:38-43888
    Subjects: Geography and history
    Uncontrolled Keywords:
    KeywordsLanguage
    Kanada; Außenpolitik, 1939-1945; Gründung der Vereinten Nationen 1939 - 1945German
    Canada; Foreign Policy, 1939 - 1945; Founding of the United Nations, 1939 - 1945;English
    Canada; Politique étrangère, 1939 - 1945; Fondation des Nations Unies, 1939 - 1945;French
    Faculty: Philosophische Fakultät
    Divisions: Philosophische Fakultät > Historisches Seminar
    Language: German
    Date: 2001
    Date Type: Completion
    Date of oral exam: 21 June 2000
    Full Text Status: Public
    Date Deposited: 12 Oct 2011 13:10:51
    Referee
    NameAcademic Title
    Dülffer, JostProf. Dr.
    Mauch, ChristofPrivatdozent
    URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/4388

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