Strauch, Dieter Prof. Dr. (2001) Vertrags-, Raub- und Friedelehe. Zur Entwicklung des Eherechts im mittelalterlichen Island. In: Status Familiae. Festschrift für Andreas Wacke zum 65. Geburtstag am 28. April 2001. hrsg. von Hans-Georg Knothe/Jürgen Kohler. Beck, München, 451 -485. ISBN 3-406-47796-8

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Abstract

In der Geschichte des isländischen Eherechts steht die Sippenvertragsehe obenan. Weder der zukünftige Bräutigam noch der Brauvater beginnen die Verhandlungen, sondern ein gut befreundeter Dritter. Der Verlobungsvertrag musste (um gültig zu sein) unter Zeugen geschlossen werden. Er enthielt Absprachen über den Brautpreis (Muntschatz), die Mitgift, die Gestaltung des Güterrechts in der Ehe, über Zeit und Ort der Hochzeit. Es handelt sich um den Vertrag zweier Sippen, der vornehmlich wirtschaftliche Fragen regelte, vor allem musste er die Gleichheit der Sippen betonen, eine Zustimmung der Frau war nicht erforderlich. Es folgte die Hochzeit in Gegenwart von mindestens sechs Personen und die Besteigung des Brautbettes unter Zeugen. Auch die Kirche war beteiligt, weil sie die Sippenvertragsehe bevorzugte, Ehehindernisse benannte aber auch den Willen der Brautleute betonte. Die Friedelehe war dagegen eine Neigungsehe ohne einen förmlichen Ehevertrag, die sogar nach zwanzig Wintern „ersessen“ werden konnte. Die Kirche bekämpfte sie, weil sie darin eine bloße Geschlechtsgemeinschaft sah. Entführungs- und Raubehen kamen zwar vor, waren jedoch mit großen Risiken verbunden, weil daraus eine Sippenfehde entstehen konnte. Während in der Heidenzeit jede Ehe geschieden werden konnte, betrachtete die Kirche die Ehe als Sakrament ohne Scheidungsmöglichkeit. Sie konnte diese Auffassung jedoch nur allmählich durchsetzen und musste Scheidungen in vielen Fällen dulden.

Item Type: Book Section
Creators:
CreatorsEmailORCID
Strauch, Dieter Prof. Dr. dieter.strauch@uni-koeln.deUNSPECIFIED
URN: urn:nbn:de:hbz:38-75093
Publisher: Beck
ISBN: 3-406-47796-8
Subjects: Geography and history
Uncontrolled Keywords:
KeywordsLanguage
Verlober; Selbstverlobung der Frau; Muntschatz; Mitgift;; Güterrecht; Bruch der Verlobung; Brautfahrt; Bettbeschreitung; Friedelehe; Friedelfrau; Entführungsehe; Raubehe; Ehescheidung; UNSPECIFIED
Faculty: Faculty of Law
Divisions: Faculty of Law > Institut für neuere Privatrechtsgeschichte, Deutsche und Rheinische Rechtsgeschichte
Language: German
Date: 2001
Full Text Status: Public
Date Deposited: 27 Mar 2017 08:55
URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/7509

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