Borkers, Henrike Maria ORCID: 0009-0000-7961-5881 (2025). Ein Vergleich der Rezidivraten beim idiopathischen nephrotischen Syndrom im Kindesalter vor und während der COVID-19-Pandemie. PhD thesis, Universität zu Köln.

[thumbnail of Dissertation_Henrike_Maria_ Borkers.pdf] PDF
Dissertation_Henrike_Maria_ Borkers.pdf - Accepted Version

Download (2MB)

Abstract

Das nephrotische Syndrom wird definiert durch das Auftreten einer großen Proteinurie (> 1 g/m2/d) und einer Hypalbuminämie (< 2,5 g/dl). Klinisch führend sind Ödeme. Eine besondere Bedeutung im Kindesalter hat das idiopathische nephrotische Syndrom (iNS), welches bei der Mehrzahl rezidivierend verläuft. Triggerfaktoren wie z.B. virale Infektionen können Auslöser sein. Im März 2020 wurde COVID-19 zur Pandemie erklärt. Während der folgenden drei Jahre wurden Maßnahmen zur Eindämmung durchgeführt, die auch zum veränderten Auftreten anderer Infektionskrankheiten führten. Untersuchung des Einflusses der COVID-19-Pandemie, die mit Lockdowns und geringeren Kontakten der Kinder zu potenziellen Krankheitserregern verbunden war, auf die Rezidivanzahl und -häufigkeit beim iNS. Das Referenzjahr 2019 wurde mit den Pandemiejahren 2020, 2021 und 2022 verglichen. Fragen waren, ob es während der Pandemiejahre und den COVID-19-Wellen einen signifikanten Unterschied in der Rezidivanzahl sowie -häufigkeit zu 2019 gab? Kam es 2022 im Zuge von zunehmenden Lockerungen der Maßnahmen zu einem Anstieg der Rezidive durch gestiegene Infektionen? Bewirkten Schulschließungen weniger Rezidive? Gab es zeitliche Zusammenhänge zwischen einer COVID-19-Impfung oder SARS-CoV-2-Infektion und einem Rezidiv? Wir führten eine retrospektiv-deskriptive Studie an einer Kohorte von 64 pädiatrisch-nephrologischen Patient:innen (Md: 8,92 Jahre, IQR: 5,15-10,75 Jahre (01.01.2019); Alter bei Manifestation: 3,8 Jahre, IQR: 2,8-5,3 Jahre; n = 19 weibl.) mit iNS durch. Erfasst wurde die Anzahl und Häufigkeit der Rezidive in den Jahren 2019-2022. Es fand ein Vergleich der Ereignisse während der vom RKI definierten COVID-19-Wellen zu 2019 statt. Die Rezidivrate in den Phasen der Schulschließungen wurde mit dem Referenzjahr sowie mit der 4. Welle 2021 (keine Schulschließung) verglichen. Im Vorpandemiejahr (2019) traten 45 Rezidive auf. Während des ersten Pandemiejahres (2020) traten 40 Rezidive auf. 2021 war die Rezidivanzahl (23 Rezidive) signifikant geringer als im Referenzjahr 2019 (p = 0,04). Im Laufe des dritten Pandemiejahres 2022 sahen wir einen Anstieg der Rezidivanzahl (33 Rezidive) im Vergleich zum Vorjahr (n.s.). Die Häufigkeit der Kinder mit Rezidiv nahm 2020 und 2021 ohne signifikanten Unterschied zu 2019 ab (2019: 26, 2020: 24, 2021: 17 Kinder mit Rezidiv). Für das dritte Pandemiejahr 2022 sahen wir einen Anstieg (19 Kinder mit Rezidiv) verglichen mit 2021 (n.s.). Die Anzahl der Rezidive lag in beinahe allen Wellen (ausgenommen 1. Welle 2020) unterhalb derer im Referenzjahr. Für die 4. Welle (08-12/21) zeigte sich eine signifikant geringere Anzahl der Rezidive zum Vergleichszeitraum 08-12/19 (2019: 22 Rezidive, 2021: 6 Rezidive; p = 0,01). In den Wellen 2022 stiegen die Rezidive hingegen wieder an, erreichten jedoch nicht das Vorpandemieniveau. Auch die Häufigkeit der Rezidive lag für beinahe alle Wellen (ausgenommen 1. Welle 2020) unterhalb der Zahlen für 2019. Hier zeigte sich ebenfalls für die 4. Welle eine signifikante geringere Häufigkeit zum Vergleichszeitraum in 2019 (2019: 15, 2021: 6 Kinder mit Rezidiv; p = 0,049). Für die Zeiträume der Schulschließungen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zu 2019 und der 4. Welle. In der ersten Schulschließung (03-04/20) wurden 0,16 Rezidive/d und in der zweiten Schließung (12/20-05/21) 0,1 Rezidive/d diagnostiziert. Während der 4. Welle waren es nur 0,04 Rezidive/d. In den Vergleichszeiträumen 2019 traten 0,11-0,14 Rezidive/d auf. Es ereignete sich bei 2/23 geimpften Kinder im zeitlichen Zusammenhang zur Impfung ein Rezidiv. Ein Rezidiv trat 2 Tage, das andere 16 Tage nach der Impfung auf. Anzahl und Häufigkeit von Rezidiven des iNS waren während der Pandemie geringer als im Vorpandemiejahr. Ein kausaler Zusammenhang zu den gleichzeitig gesunkenen Raten an Infektionskrankheiten ist möglich, lässt sich aufgrund der kleinen und komplexen Kohorte und nur einzelner signifikanter Ergebnisse nicht gesichert herstellen. Andere Studien zeigten für das erste Pandemiejahr heterogene Daten bezüglich der Unterschiede in der Rezidivrate. Im Gegensatz zu dem Rezidiv 16 Tage nach der Impfung, besteht zwischen dem Rezidiv 2 Tage nach der Impfung kein immunologischer Zusammenhang zu selbiger. Untersuchungen zeigten, dass eine immunspezifische Immunreaktion erst später auftritt. Die DGKH und DGPI sprachen sich im 09/21 gegen erneute Schulschließungen aus. Betrachtet man zudem die psychosozialen Auswirkungen der dieser, sollte über zukünftige Schließungen bei Pandemien genau abgewogen werden.

Item Type: Thesis (PhD thesis)
Creators:
Creators
Email
ORCID
ORCID Put Code
Borkers, Henrike Maria
borkers.henrike@googlemail.com
UNSPECIFIED
URN: urn:nbn:de:hbz:38-796005
Date: 2025
Language: German
Faculty: Faculty of Medicine
Divisions: Faculty of Medicine > Kinder- und Jugendmedizin > Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
Subjects: Medical sciences Medicine
Uncontrolled Keywords:
Keywords
Language
Nephrotisches Syndrom
UNSPECIFIED
COVID-19-Pandemie
UNSPECIFIED
idiopathisches nephrotisches Syndrom
UNSPECIFIED
Date of oral exam: 3 December 2025
Referee:
Name
Academic Title
Weber, Lutz Thorsten
Prof. Dr. med.
Kann, Martin
PD Dr. med.
Refereed: Yes
URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/79600

Downloads

Downloads per month over past year

Export

Actions (login required)

View Item View Item