Universität zu Köln

Eheorientierung und Ehestabilität

Tachtsoglou, Sarantis (2010) Eheorientierung und Ehestabilität. PhD thesis, Universität zu Köln.

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    Abstract

    Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das weit verbreitete Phänomen der ehelichen Instabilität anhand der Eheorientierung zu erklären. Darunter soll verstanden werden, dass die Scheidungsraten zu einem bedeutenden Teil durch die Verminderung des Wertes der Ehe als eine in der Sicht der Personen auf lebenslange Dauer angelegte Institution, die mit dem Ziel der Familiengründung verbunden ist, erklärt werden können. Bei der Eheorientierung handelt es sich also um eine Wertorientierung. Angesichts der großen Wichtigkeit der Werte sowohl auf personeller Ebene, indem sie der Person Orientierung geben, als auch auf sozialer Ebene, indem sie zur sozialen Integration beitragen (Meulemann, 2001, S. 184), kann man zumindest theoretisch die Bedeutung der Eheorientierung für die Ehestabilität nachvollziehen. Angesichts dieser Tatsache erstaunt das Fehlen einer direkten Beschäftigung der Theoriebildung mit der Bedeutung von Werten im Allgemeinen und der Eheorientierung speziell für die Ehestabilität. So lässt die Austauschtheorie von Lewis & Spanier (1979) zwar einen indirekten Einbezug der Eheorientierung durch die sozialen und personellen Ressourcen zu. Die Ehestabilität wird dadurch aber mittels der Ehequalität determiniert. Ebenfalls kann man einen Bezug zur Eheorientierung mit Hilfe der ökonomischen Theorie der Familie von Becker, Landes und Michael (1977) herstellen, indem die Eheorientierung zu einer unbedenklichen Investition in ehespezifisches Kapital wie z.B. Kinder und folglich zu einer Erhöhung der Ehestabilität führen kann. Einen größeren Spielraum zu einem besseren Verständnis der Eheorientierung und ihrer Rolle für die Ehestabilität stellt das Modell vom Framing der Ehe von Esser (2001) dar. Dieses Modell integriert nicht nur die davor genannten Theorien, sondern es sieht die Frames als den wichtigsten Faktor der Ehestabilität an. Da darunter Werte, vorgefertigte Orientierungen und Einstellungen bezüglich der Ehe zu verstehen sind, bildet das Modell von Esser die Basis für unser Erklärungsmodell, in dessen Mittelpunkt die Eheorientierung steht. Ein weiteres Ziel dieser Arbeit besteht in der Erkundung derjenigen Faktoren, welche die Verminderung der Eheorientierung hervorrufen. In diesem Zusammenhang betrachten wir verschiedene Manifestationen der Modernisierung, wie eine Verminderung der religiösen Orientierung der Menschen, eine Ausweitung des Bildungssystems, eine verstärkte Teilnahme der Frauen an der Erwerbsarbeit und eine Verminderung der Fertilität als Hauptgrund. Darüber hinaus betrachten wir als weitere bedeutende Erklärungsgroßen der Eheorientierung, die eigene Scheidungserfahrung, das Geschlecht und die eheliche Stabilität in der Herkunftsfamilie. Für die Erreichung dieser Ziele werden wir drei statistischen Methoden anwenden. Diese sind das semiparametrische Verfahren von Cox, die multiple lineare Regressionsanalyse und die multiple Klassifikationsanalyse. Die Basis der statistischen Analysen bilden zwei Panelstichproben. Die Daten der ersten Stichprobe stammen aus dem Projekt "Familiensurvey -- Wandel und Entwicklung familialer Lebensformen" des Deutschen Jugendinstituts, das in drei Wellen (1988, 1994 und 2000) realisiert wurde. Die Daten der zweiten Stichprobe sind im Rahmen des Forschungsobjekts "Generatives Verhalten in Nordrhein-Westfalen -- Analyse von Familienentwicklungsprozessen in sozialräumlichen Kontexten und Möglichkeiten ihrer Prognostizierbarkeit" in ebenfalls drei Wellen (1982, 1984, 1986) erhoben worden. Unsere Analyseergebnisse werden für beide Datensätzen die Bedeutung der Eheorientierung für die Ehestabilität eindeutig belegen. Es wird nämlich gezeigt, dass der trennungsmindernde Einfluss der Eheorientierung sehr stark und unabhängig von den verschiedenen Dimensionen der Modernisierung, dem Ehenutzen, den Kosten und den Opportunitäten einer besseren Alternative zur eigenen Ehe ist. Darüber hinaus wird die theoretische Annahme einer Wechselwirkung zwischen Eheorientierung und Ehekrise empirisch festgestellt. Diese Resultate gelten zum größten Teil auch in Bezug zur Sensitivitätsanalyse, die ein besonders striktes Cox-Regressionsmodell darstellt. Außerdem wird der dynamische Charakter der Eheorientierung offenbart. Wir werden nämlich feststellen, dass zum einen Personen, die getrennt wurden, schon vor dem Zeitpunkt der Trennung niedrigere Werte der Eheorientierung zeigten als verheiratet gebliebene Personen, und dass zum anderen die Trennungserfahrung die Eheorientierung negativ beeinflusst. Dass diese Resultate auch unter Kontrolle von Ehekrisen gültig sind, spricht dafür, dass die Eheorientierung die Ursache der Ehestabilität ist. Angesichts unserer klaren Resultate erstaunt die kleine Anzahl der Studien, welche die Eheorientierung als Faktor der Ehestabilität thematisieren. Insofern sind wir der Meinung, dass diese Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Ehe- und Scheidungsforschung leisten wird.

    Item Type: Thesis (PhD thesis)
    Creators:
    CreatorsEmail
    Tachtsoglou, Sarantisstachtso@smail.uni-koeln.de
    URN: urn:nbn:de:hbz:38-31439
    Subjects: Social sciences
    Uncontrolled Keywords:
    KeywordsLanguage
    Eheorientierung , Framing , Tachtsoglou , Ehestabilität , SensitivitätsanalyseGerman
    Faculty: Wirtschafts- u. Sozialwissenschaftliche Fakultät
    Divisions: Wirtschafts- u. Sozialwissenschaftliche Fakultät > Forschungsinstitut für Soziologie
    Language: German
    Date: 2010
    Date Type: Completion
    Date of oral exam: 20 June 2010
    Full Text Status: Public
    Date Deposited: 17 Aug 2010 08:53:01
    Referee
    NameAcademic Title
    Wagner, MichaelProf. Dr.
    URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/3143

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