Reupke, Ira Maria ORCID: 0009-0002-2489-4531 (2026). Delir bei Demenz (Delirium superimposed on Dementia, DSD) -Klinische Charakteristika und Verlauf-. PhD thesis, Universität zu Köln.

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Abstract

Zusammenfassung Einleitung Ziel dieser Untersuchung ist die differenzierte Charakterisierung von Patient*innen mit Delir bei Demenz (Delirium superimposed on Dementia, DSD) im Vergleich zu Patient*innen nur mit Demenz (Dementia only (DO)). Bislang existieren nur wenige Studien, die sich explizit mit der DSD-Patient*innengruppe befassen. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und der klinischen Erfahrungen handelt es sich jedoch um eine häufige, in jedem medizinischen Fachbereich anzutreffende Patient*innengruppe. Eindeutige DSD-spezifische Risikofaktoren sowie klar definierte diagnostische Kriterien zur Abgrenzung von DO-Patient*innen fehlen bislang.1,2 Ebenso sind Besonderheiten und Komplikationen im Krankheitsverlauf der DSD-Patient*innen im direkten Vergleich mit DO-Patient*innen weitgehend unerforscht. Material und Methoden In dieser retrospektiven Fallkohortenstudie wurden 158 Patient*innen mit diagnostizierter Demenz eingeschlossen, die sich zwischen dem 16.11.2014 und dem 22.02.2016 in stationärer Behandlung der gerontopsychiatrischen Abteilung der LVR-Klinik Köln befanden. Der Fallgruppe wurden die DSD- und der Kontrollgruppe die DO-Patient*innen zugeordnet. Die Datenerhebung erfolgte aus dem Krankenhausinformationssystem (KIS). Die statistischen Analysen wurden mit IBM SPSS Statistics Version 29.0.0 und 31.0.0 durchgeführt. Ergebnisse Die Stichprobenmerkmale der beiden Gruppen (DSD: N = 96; DO: N = 62) unterscheiden sich mit Ausnahme der juristischen Unterbringung nicht: Alter [Jahre]: 81,42 ± 7,13, 80,84 ± 5,66; männlich: 49,0 %, 45,2 %; MMST [Punkte]: 16,94 ± 5,37, 18,31 ± 4,97; kognitive Reserve [in Ausbildungsjahren]: 11,75 ± 2,61, 10,88 ± 2,65; Pflegestufe 1: 60,0 %, 69,6 %; F00.2 (ICD-10): 47,9 %; 38,7 %; PKG-Unterbringung: 71,9 %; 30,6 %. Statistisch signifikante Gruppenunterschiede zeigen sich zum Aufnahmezeitpunkt für die DSD-Patient*innen bei den Häufigkeiten von Harnwegsinfektionen (26,0 %; Holm-adjustierter p Wert = 0,016; Cohen’s h = 0,64; OR = 6,93 [95 %-KI: 1,99–24,08]) und Exsikkose (42,7 %; Holm-adjustierter p-Wert = 0,016; Cohen’s h = 1,43). Während des stationären Aufenthaltes sind die Sturzereignisse (26,0 %, Holm-adjustierter p Wert = 0,042; Cohen’s h = 0,49; OR = 4,01 [95 %-KI: 1,45–11,15]) in der DSD-Gruppe signifikant häufiger. Auch die Sturzanzahl ist erhöht (MW = 0,44 ± 0,89; Holm-adjustierter p-Wert = 0,032; r = -0,23). Bezogen auf das Gesamtpatient*innenkollektiv werden DSD-Patient*innen eher aus einem anderen Krankenhaus aufgenommen (55,2 %; Holm-adjustierter p Wert = 0,010; Cramer’s V = 0,38) und in ein Heim entlassen (29,2 %; Holm-adjustierter p-Wert = 0,010; Cramer’s V = 0,45). Der hyperaktive motorische Subtyp dominiert mit 75,0 % (Holm-adjustierter Chi²-Goodness-of-fit-Test: p < 0,001, Cohen’s w = 0,88). Keine signifikanten Gruppenunterschiede ergeben sich zum Aufnahmezeitpunkt für Anzahl der Nebendiagnosen, Medikamentenanzahl (metrisch und ordinal), Anzahl potentiell Delir begünstigende Medikamente, Serum-Natrium-Wert (metrisch und ordinal) sowie CRP-Wert (metrisch und ordinal). Ferner zeigen sich keine signifikanten Gruppenunterschiede für Sturzrisiko, Krankenhausaufenthaltsdauer, Entlassungsmodus, Entlassung ins Heim und in der binären Variablen Aufnahme von Zuhause - Entlassung ins Heim sowie Aufnahme aus Krankenhaus – Entlassung ins Heim. Schlussfolgerung und Ausblick Die vorliegende Untersuchung gehört zu den ersten Arbeiten, die einen direkten Vergleich zwischen DSD- und DO-Patient*innen mit einem Stichprobenumfang von > 50 Patient*innen pro Gruppe vornehmen und dabei ein breites Spektrum an Parametern zum Aufnahmezeitpunkt, erstmals die Sturzproblematik sowie zusätzlich Aufnahme- und Entlassungsmodalitäten und motorische Subtypen systematisch untersuchen. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass DSD-Patient*innen im Vergleich zu DO-Patient*innen keine Hinweise auf mehr chronische Vorerkrankungen zum Aufnahmezeitpunkt haben. Sie weisen jedoch ein fast siebenfach erhöhtes Risiko für eine Harnwegsinfektion und ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Exsikkose zum Aufnahmezeitpunkt auf. Die sich aus der vorliegenden Untersuchung ergebende Tendenz, dass DSD-Patient*innen eher aus anderen Krankenhäusern aufgenommen werden, ist als möglicher Hinweis auf eine schwerwiegendere akute somatische Erkrankung zu diskutieren. Darüber hinaus geben die Ergebnisse dieser Arbeit erstmals Hinweise, dass DSD-Patient*innen bei annähernd gleichem, deutlich erhöhtem Sturzrisiko im Vergleich zu DO-Patient*innen ein vierfach erhöhtes Risiko für Sturzereignisse haben und vermehrt stürzen. Entgegen früheren Untersuchungsergebnissen dominiert in dieser Studie der hyperaktive motorische Subtyp in der DSD-Gruppe. Zur Validierung der vorliegenden Ergebnisse und zur Erweiterung der Evidenzbasis sind weitere Untersuchungen mit größeren Kohorten und einem prospektiven Studiendesign erforderlich. Zukünftige Studien sollten insbesondere DSD-spezifische Risikofaktoren, Verlaufsparameter und Versorgungsbedarfe differenziert analysieren, um gezielte diagnostische, therapeutische und präventive Strategien zu entwickeln. Multizentrische Studien könnten die Generalisierbarkeit der Ergebnisse verbessern.

Item Type: Thesis (PhD thesis)
Translated title:
Title
Language
Delirium superimposed on Dementia, DSD Delirium superimposed on Dementia, DSD
English
Creators:
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Email
ORCID
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Reupke, Ira Maria
nc-reupkeir@netcologne.de
UNSPECIFIED
URN: urn:nbn:de:hbz:38-802942
Date: 2026
Language: German
Faculty: Faculty of Medicine
Divisions: Unspecified
Subjects: Medical sciences Medicine
Uncontrolled Keywords:
Keywords
Language
Delir bei Demenz, Risikofaktoren, Outcome, Infektionen, Pneumonie, Harnwegsinfektion, Exsikkose, Medikamente, Natrium, CRP, Stürze, Heim, motorischer Subtyp
German
Date of oral exam: 6 March 2026
Referee:
Name
Academic Title
Häussermann, Ralf-Peter
Professor Dr. med.
Huys, Daniel
Privatdozent Dr. med.
Refereed: Yes
URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/80294

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