Rutz, Jule
ORCID: 0000-0003-4855-2990
(2024).
Individual and institutional predisposing factors of MRSA surgical site infection and outcomes — a retrospective case-control-study in 14 European high-volume surgical centres.
PhD thesis, Universität zu Köln.
|
PDF
JRutz_Dissertationsschrift.pdf - Published Version Download (887kB) |
Abstract
Antibiotikaresistenzen stellen eine der größten Herausforderungen der modernen Medizin dar. Aufgrund ihrer verlängerten Behandlungsdauer, der erhöhten Morbidität sowie der damit verbundenen gesteigerten Gesundheitskosten verursachen sie beträchtliche individuelle und gesamtgesellschaftliche Belastungen. Aus diesem Grund wurden nationale und internationale Surveillance Systeme etabliert. Heute berichten diese an das Europäische EARS-Net (European Antimicrobial Surveillance Network), welches durch die europäische Gesundheitsbehörde ECDC (European Center for Disease Prevention and Control) koordiniert wird. Circa 70% der Infektionen mit Antibiotika-resistenten Erregern sind nosokomial, im Krankenhaus erworbene Infektionen. Eine Prävalenzstudie aus dem Jahr 2016/2017 zum Zeitpunkt dieser Studie zeigte, dass circa 6,5% aller Patient*innen in Krankenhäusern der Akutversorgung in Europa an einer nosokomialen Infektion erkrankt waren. Hierunter bilden postoperative Wundinfektionen eine große Gruppe. Solche Wundinfektionen werden am häufigsten durch Staphylokokkus aureus verursacht (S. aureus), ein Erreger der natürlichen menschlichen Hautflora. Aufgrund verschiedener Resistenzmechanismen zeigt er teils eine Widerstandsfähigkeit gegenüber gängigen Antibiotika, insbesondere gegenüber Betalaktam-Antibiotika. Diese resistente Variante wird als Methicillin-resistenter S. aureus (MRSA) bezeichnet. Zuletzt war der MRSA-Anteil unter S. aureus Nachweisen in Europa rückläufig auf circa 15% (2022). Verglichen mit Methicillin-sensiblem S. aureus (MSSA) ist MRSA mit einem schlechteren Outcome verbunden. Diese Arbeit hat zum Ziel die Inzidenz von postoperativen Wundinfektionen durch MRSA in Europa zu erfassen und Länder- sowie Zentrums- und Abteilungs-abhängige Unterschiede zu untersuchen. Darüber hinaus sollen Risikofaktoren und das klinische Ergebnis im Vergleich zu MSSA bestimmt werden. Hierfür erfolgt die Analyse einer Subkohorte der europaweiten SALT Studie (Staphylococcus aureus surgical site infection rates in 5 European countries; NCT03353532) bestehend aus Patienten mit postoperativen MRSA-Wundinfektionen aus 14 operativen Zentren in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und dem Vereinigten Königreich. Im Jahr 2016 wurden bei insgesamt 178.903 Patient*innen, die sich einer invasiven Operation unterzogen, 104 Fälle einer MRSA-Infektion dokumentiert, was einer Inzidenz von 0,06% entspricht. Im internationalen Vergleich zeigte sich eine signifikante Ungleichverteilung: In Spanien lag die Inzidenz mit 58 von 67.934 Fällen deutlich höher, während sie in Deutschland mit 16 von 46.443 Fällen signifikant niedriger war (beide P < 0,05). Innerhalb der Länder wurden ebenfalls Unterschiede beobachtet. In Krankenhäusern mit etablierten Programmen für Antibiotic Stewardship (ABS) oder infektiologischer Beratung (3 von 14 Zentren) traten signifikant weniger MRSA-Fälle auf (17 von 43.556 Fällen) im Vergleich zu Zentren ohne solche Programme (61 von 83.048 Fällen; P < 0,05). Die betroffenen Patient*innen litten überwiegend an chronischen kardiovaskulären Erkrankungen, Diabetes mellitus und soliden Tumoren. Im Vergleich zu Patient*innen mit MSSA-Wundinfektionen waren MRSA-Patienten in einer bivariaten Analyse signifikant älter, adipöser und wiesen eine höhere Morbidität auf (jeweils P < 0,05). Darüber hinaus zeigte sich, dass Operationen im Zeitraum zwischen 18 und 24 Uhr signifikant häufiger mit MRSA-Wundinfektionen assoziiert waren (17 von 104 Fällen) im Vergleich zu Operationen zu anderen Zeiten (62 von 640 Fällen, P < 0,05). Zusammenfassend findet sich in Europa und den individuellen Ländern eine niedrige Inzidenz von postoperativen Wundinfektionen durch MRSA. Es bestehen dennoch Unterschiede zwischen den Nationen und den Zentren mit etablierten ABS-Programmen oder infektiologischer Beratung. Dies verdeutlicht den Bedarf an einer breiteren Implementierung solcher Maßnahmen. Trotz der Größe dieser Kohorte, die zu den umfangreichsten Studien zu postoperativen MRSA-Wundinfektionen zählt, bleiben die Aussagen hinsichtlich spezifischer Prozeduren und besonders gefährdeter Patientengruppen durch die geringe Fallzahl eingeschränkt. Zukünftige Forschung sollte daher gezielt auf die Identifikation und Prävention von Risikofaktoren für MRSA-Infektionen fokussieren.
| Item Type: | Thesis (PhD thesis) |
| Creators: | Creators Email ORCID ORCID Put Code |
| URN: | urn:nbn:de:hbz:38-803658 |
| Identification Number: | 10.1093/jacamr/dlae046 |
| Journal or Publication Title: | JAC - Antimicrobial Resistance |
| Date: | 2024 |
| Language: | English |
| Faculty: | Faculty of Medicine |
| Divisions: | CECAD - Cluster of Excellence Cellular Stress Responses in Aging-Associated Diseases |
| Subjects: | Medical sciences Medicine |
| Uncontrolled Keywords: | Keywords Language surgical site infections English MRSA UNSPECIFIED antimicrobial resistance English hospital acquired infections English |
| Date of oral exam: | 16 October 2025 |
| Referee: | Name Academic Title Cornely, Oliver A. Universitätsprofessor Dr. med. Chiapponi, Costanza Professorin Dr. med. |
| Refereed: | Yes |
| URI: | http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/80365 |
Downloads
Downloads per month over past year
Altmetric
Export
Actions (login required)
![]() |
View Item |
https://orcid.org/0000-0003-4855-2990