Balduin, Gesa Marie (2026). Erworbene thrombotisch-thrombozytopenische Purpura – Implikationen einer internationalen Beobachtungsstudie. PhD thesis, Universität zu Köln.

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Erworbene thrombotisch-thrombozytopenische Purpura - Implikationen einer internationalen Beobachtungsstudie.pdf

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Abstract

Die autoimmune bzw. erworbene Form der thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (aTTP) ist eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, bei der es aufgrund von Autoantikörpern gegen die Metalloprotease ADAMTS13 zu einem Funktionsmangel des Enzyms kommt. Durch die verminderte Spaltung des vWF kommt es zur Bildung mikrovaskulärer Thromben mit nachfolgenden ischämischen Endorganschäden. Die Entdeckung geeigneter Therapiemaßnahmen, wie Plasmapherese und Immunsuppression, konnte die Mortalitätsrate in den letzten Jahrzehnten deutlich senken. Durch die Markteinführung des monoklonalen Antikörpers Caplacizumab im Jahr 2018 wurde die Standardtherapie um eine weitere Therapiemaßnahme ergänzt. Die REACT2020-Studie hat sich zum Ziel gesetzt, den Kenntnisstand zum Einsatz von Caplacizumab zu erweitern und „real-world“ Daten aus akuten aTTP-Episoden außerhalb klinischer Zulassungsstudien zu sammeln. Risikofaktoren, die für ein schlechteres Outcome der Patientinnen und Patienten sorgen, sollen eruiert werden. Ziel ist es außerdem, eine verbesserte Anwendung und Verschreibungspraxis von Caplacizumab zu konstatieren, sodass die Dauer einer akuten aTTP-Episode verkürzt, eine stabile Remission erreicht und somit die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten möglicherweise gesteigert werden kann. Es handelt sich bei dieser Studie um eine retrospektive Beobachtungsstudie, in der Daten von Patientinnen und Patienten zu akuten aTTP-Episoden aus 29 medizinischen Zentren in Deutschland und Österreich gesammelt wurden. Zwischen Oktober 2018 und Mai 2021 konnten Daten zu 113 Patientinnen und Patienten mit Caplacizumab-Therapie rekrutiert werden. Eine Kontrollkohorte mit 96 Patientinnen und Patienten bzw. 119 aTTP-Episoden ohne Caplacizumab-Behandlung wurde zusätzlich retrospektiv ermittelt. Die pseudonymisierten Fälle mit Laborparametern, Therapieschemata und Krankheitsverlauf wurden in einer klinikinternen Datenbank in Microsoft Excel® (Microsoft, Seattle, WA) erfasst und ausgewertet. In die Bewertung der Kohorten flossen zentrale Endpunkte ein, darunter Refraktärität, Rezidivhäufigkeit, Zeit bis zur Normalisierung der Thrombozytenwerte, Mortalität sowie die Dauer von Krankenhaus- und Intensivaufenthalt und der Plasmapherese-Behandlung. Die gesammelten „real-world“ Daten zeigten, dass die Effektivität und der Nutzen einer Therapie mit Caplacizumab innerhalb der ersten <72h nach Diagnose (first-line) am größten ist im Vergleich zu einer verzögerten Therapie >72h (non-first-line). Die Thrombozyten erholten 10 sich deutlich schneller (Median 5 Tage vs. 20 Tage, p<0,0001), Plasmapheresen mussten seltener durchgeführt (Median 5 vs. 14, p<0,0001) und der Krankenhausaufenthalt konnte verkürzt werden (Median 14 Tage vs. 23 Tage, p=0,0007). Exazerbationen (30% vs. 60%, p=0,0031) und refraktäre Krankheitsverläufe (4% vs. 45%, p<0,0001) traten bei first-line Therapie mit Caplacizumab deutlich weniger auf. Lag bei Beendigung der Caplacizumab-Therapie eine normale Thrombozytenzahl (>150 x 109/L) und zusätzlich eine ADAMTS13-Aktivität >10% vor, kam es bei keinem der Patientinnen und Patienten zu einem klinischen Rezidiv. Eine non-first-line Therapie (>72h nach Diagnose) stellte sich außerdem als nachteilig heraus, da hier im Vergleich zur historischen Kontrollkohorte mehr Rezidive und längere aTTP-Episoden auftraten. Die REACT2020-Studie konnte anhand einer retrospektiven Datenauswertung den in den Zulassungsstudien belegten klinischen Nutzen von Caplacizumab bestätigen und liefert wertvolle Erkenntnisse zur Optimierung der Therapiesteuerung. Überlegen ist es gegenüber der Standardtherapie jedoch nur, wenn Caplacizumab innerhalb der ersten <72h nach Diagnose (first-line) eingesetzt wird. Dies führt zu einer schnelleren Erholung der Laborparameter, einem verbesserten klinischen Ansprechen und weniger Exazerbationen. Ein Absetzen der Caplacizumab-Therapie sollte erst nach ADAMTS13-Remission auf >10-20% erfolgen und nicht nur aufgrund einer Normalisierung der Thrombozytenzahl (>150 x 109/L). Der ADAMTS13-Aktivitätswert ist ein wichtiger prognostischer Faktor, um mögliche Rezidive frühzeitig identifizieren zu können. Daher sollten regelmäßige ADAMTS13-Aktivitätsmessungen zur Nachbeobachtung und Verlaufskontrolle durchgeführt werden. Des Weiteren sollte eine Therapie mit Caplacizumab nicht nur Patientinnen und Patienten mit schwerer Anfangssymptomatik vorbehalten sein, sondern bei jedem Betroffenen mit akuter aTTP-Episode als Therapiemaßnahme eingesetzt werden, um die Episodendauer zu verkürzen und mögliche Spätkomplikationen durch initiale Thrombenbildung zu vermeiden. Die REACT2020-Studie konnte durch Ermittlung von Risikofaktoren, welche für ein schlechteres Outcome sorgen sowie Erstellen einer Anwendungsempfehlung von Caplacizumab, den Kenntnisstand zum Einsatz des Antikörpers im klinischen Alltag erweitern. Es gilt jedoch in weiteren Studien herauszuarbeiten, inwieweit eine Modifikation von Begleittherapien, wie beispielsweise einer Plasmapherese-freien Therapie oder eine durch fortlaufende ADAMTS13-Messungen personalisierte Caplacizumab-Therapie einen zusätzlichen Nutzen für die Behandlung einer akuten aTTP-Episode haben, um das Outcome und die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten weiter zu verbessern.

Item Type: Thesis (PhD thesis)
Creators:
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Balduin, Gesa Marie
UNSPECIFIED
UNSPECIFIED
UNSPECIFIED
URN: urn:nbn:de:hbz:38-805118
Date: 2026
Language: German
Faculty: Faculty of Medicine
Divisions: Faculty of Medicine > Innere Medizin > Klinik II für Innere Medizin - Nephrologie, Rheumatologie, Diabetologie und Allgemeine Innere Medizin
Subjects: Medical sciences Medicine
Uncontrolled Keywords:
Keywords
Language
Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura
UNSPECIFIED
Caplacizumab
UNSPECIFIED
Real-World-Daten
UNSPECIFIED
Date of oral exam: 12 March 2026
Referee:
Name
Academic Title
Brinkkötter, Paul
Univ.-Prof. Dr.
Cramer, Paula
Priv.-Doz. Dr.
Refereed: Yes
URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/80511

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