Götten, Michael (2026). Boxtraining bei Menschen mit Parkinson Erkrankung: Eine systematische Übersicht zur Wirksamkeit auf motorische und nicht-motorische Symptomatik. PhD thesis, Universität zu Köln.

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Abstract

Die vorliegende systematische Übersichtsarbeit untersucht, in welchem Ausmaß Boxtraining als bewegungsbasierte Therapieform positive Effekte auf motorische und nicht-motorische Symptome bei Menschen mit Parkinson-Erkrankung entfalten kann. Hintergrund dieser Arbeit ist die zunehmende Relevanz nicht-medikamentöser Therapieansätze zur Verbesserung der Lebensqualität und funktionellen Selbstständigkeit bei dieser chronisch-progredienten, neurodegenerativen Erkrankung. Insbesondere angesichts der begrenzten Wirkung pharmakologischer Therapien auf nicht-motorische Beschwerden sowie der fortschreitenden Natur der Erkrankung gewinnen bewegungstherapeutische Interventionen wie das Boxen an Bedeutung. Trotz der wachsenden Popularität von Boxprogrammen für Menschen mit Parkinson Erkrankung ist die wissenschaftliche Evidenzlage bislang uneinheitlich. Viele der verfügbaren Studien zeigen methodische Limitationen, was eine verlässliche Bewertung der Wirksamkeit erschwert. Ziel dieser Arbeit war es daher, durch eine strukturierte Auswertung aktueller wissenschaftlicher Publikationen einen differenzierten Überblick über die potenziellen therapeutischen Effekte des Boxens bei Parkinson zu geben. Im Rahmen einer umfassenden systematischen Literaturrecherche wurden insgesamt 18 klinische Studien eingeschlossen, die im Zeitraum zwischen 2019 und 2025 veröffentlicht wurden. Hinsichtlich des Studiendesigns fanden sich sowohl randomisiert-kontrollierte Studien, nicht-randomisierte Interventionsstudien, prospektive Beobachtungsstudien, Machbarkeitsanalysen als auch systematische Reviews. In die Analyse flossen 18 Studien mit insgesamt 7.887 Patientinnen und Patienten ein. Diese Zahl bezieht sich auf die Gesamtheit der in den Primärstudien untersuchten Personen, wobei nicht alle tatsächlich Boxtraining erhielten, da in einzelnen Arbeiten auch andere Sportarten untersucht wurden. Die Mehrheit der eingeschlossenen Studien untersuchte Probandenkollektive im frühen bis mittleren Krankheitsstadium (Hoehn-&-Yahr-Stadium 1–2), wobei das männliche Geschlecht mit 68,4 % deutlich überrepräsentiert war. Die Dauer der Interventionen variierte zwischen mindestens 6 und maximal 96 Wochen. In der Regel fanden zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche statt, mit einer durchschnittlichen Sitzungsdauer von 60 bis 90 Minuten. Die Interventionen waren meist gruppenbasiert und umfassten sowohl technische Boxelemente (Schattenboxen, Schlagkombinationen) als auch gezielte Mobilisations-, Koordinations- und Kraftübungen. Zur Bewertung der Therapieeffekte kamen standardisierte und validierte Messinstrumente zum Einsatz, darunter die Unified Parkinson’s Disease Rating Scale Part III (UPDRS-III), der Timed Up and Go Test (TUG), die 11 Berg Balance Scale (BBS) sowie der Parkinson’s Disease Questionnaire-39 (PDQ-39). Die analysierten Ergebnisse deuten darauf hin, dass Boxtraining insbesondere das Gleichgewicht, die Mobilität und die Kraft der unteren Extremitäten signifikant verbessern kann. Darüber hinaus zeigten sich in mehreren Studien auch positive Effekte auf nicht-motorische Symptome wie depressive Verstimmungen, Fatigue und die subjektiv wahrgenommene Lebensqualität. Schwerwiegende Nebenwirkungen oder unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit der Intervention wurden in keiner der eingeschlossenen Studien berichtet. Die Intervention gilt demnach als gut verträglich und sicher, auch für ältere oder motorisch eingeschränkte Patientengruppen. Die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien erwies sich insgesamt als heterogen. Während randomisiert-kontrollierte Studien überwiegend ein moderates Risiko für Bias aufwiesen, zeigten viele nicht-randomisierte Studien sowie Beobachtungsstudien ein erhöhtes Risiko für systematische Verzerrungen, insbesondere durch Confounding-Faktoren und Selektionsbias. Langzeiteffekte sowie die Nachhaltigkeit der beobachteten Verbesserungen wurden bislang nur in wenigen Studien systematisch und über längere Zeiträume hinweg untersucht. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Boxtraining eine vielversprechende, motivierende und potenziell wirksame Ergänzung zur bestehenden Standardtherapie bei Parkinson darstellen kann – insbesondere im Hinblick auf die Verbesserung motorischer Kernsymptome, der funktionellen Alltagskompetenz sowie der allgemeinen Lebensqualität. Für einen optimalen Trainingseffekt sollte das Boxtraining von Menschen mit Parkinson Erkrankung mit einer Frequenz von mindestens 2–3 Einheiten pro Woche sowie einer Dauer von 60–90 Minuten pro Einheit über einen Zeitraum von mindestens 12 Wochen durchgeführt werden um motorische und nicht-motorische Verbesserungen zu erreichen und zu stabilisieren.

Item Type: Thesis (PhD thesis)
Creators:
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Email
ORCID
ORCID Put Code
Götten, Michael
goetten.michael@gmail.com
UNSPECIFIED
UNSPECIFIED
URN: urn:nbn:de:hbz:38-805387
Date: 2026
Language: German
Faculty: Faculty of Medicine
Divisions: Unspecified
Subjects: Medical sciences Medicine
Uncontrolled Keywords:
Keywords
Language
Morbus Parkinson
UNSPECIFIED
Boxtraining
UNSPECIFIED
systematische Übersicht
UNSPECIFIED
Date of oral exam: 13 May 2026
Referee:
Name
Academic Title
Brixius, Klara
Professorin Dr. rer. nat.
Barbe, Michael
Universitätsprofessor Dr. med.
Refereed: Yes
URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/80538

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