Lentzen, Bruno Jonas ORCID: 0009-0000-5468-9622 (2026). Liquoranalytik bei Frühgeborenen mit Hydrozephalus: Erste Ergebnisse einer Pilotstudie zur intranasalen Muttermilchgabe. PhD thesis, Universität zu Köln.

[thumbnail of Dissertation_Endversion_Bruno Jonas Lentzen.pdf] PDF
Dissertation_Endversion_Bruno Jonas Lentzen.pdf - Accepted Version

Download (1MB)

Abstract

Hintergrund Frühgeborene mit einem drainagepflichtigen Hydrozephalus (posthämorrhagischer/ kongenitaler Genese) haben ein erhöhtes Risiko für ein schlechtes neurologisches Outcome. Der klinische Verlauf dieser Kinder wird durch perinatale Risikofaktoren und interventionsbedingte Maßnahmen in der Erstversorgung insbesondere in den ersten Lebenstagen beeinflusst. Der klinische Verlauf nach Anlage einer Liquor-Drainage zur therapeutischen Liquorableitung zeigt eine große interindividuelle Variation von Sistieren der Ventrikeldilatation bis hin zur anhaltenden Ventrikeldilatation mit Notwendigkeit der langfristigen Ableitung über einen ventrikuloperitonealen Shunt. In diesem Verlauf bieten die labormedizinischen Liquor-Parameter (Leukozytenzahl, Erythrozytenzahl, Proteinkonzentration, Glukose- und Laktatkonzentration) einen Einblick in die Prozesse im zentralen Nervensystem. Die therapeutischen Möglichkeiten in der Behandlung der Frühgeborenen mit einem drainagepflichtigen Hydrozephalus sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt begrenzt. In präklinischen sowie klinischen Studien konnte der Transport von Substanzen und Zellen über die nasale Route ins ZNS nachgewiesen werden. In präklinischen sowie ersten klinischen Arbeiten konnte ein Effekt der intranasalen Applikation von Muttermilch auf das zentrale Nervensystem beobachtet werden. Zielsetzung: Ziel dieser Studie ist es, die demografischen und klinischen Charakteristika des eingeschlossenen Kollektivs von Frühgeborenen darzustellen sowie den longitudinalen Verlauf der labormedizinischen Liquor-Parameter bei Frühgeborenen mit drainagepflichtigem Hydrozephalus zu untersuchen. Speziell wurde hierbei eine Abhängigkeit vom Gestationsalter untersucht. Als Pilotarbeit wurde erstmals die Assoziation des zeitlichen Abstands intranasaler Muttermilch-Gaben zu den labormedizinischen Liquor-Parameter mithilfe eines intraindividuellen Cross-over-Designs untersucht. Methodik: Diese Dissertation ist eingebettet in die prospektive, longitudinale NAMU-Studie. In dieser Studie wurden Frühgeborene mit drainagepflichtigem Hydrozephalus in der Neonatologie der UK Köln rekrutiert. In einem Basisdatenblatt wurden bei Studieneinschluss für jedes eingeschlossene Kind die grundlegenden Daten mit maternalen Faktoren, perinatalen und postpartalen Merkmalen, der postpartalen und neonatalen Versorgung, den postnatalen und neonatalen Komplikationen, insbesondere der IVH und anschließenden Ventrikeldilatation sowie den entsprechenden Drainagemodalitäten dokumentiert. 10 Im Rahmen des Studiendesigns wurde nach einem tagesalternierenden Schema Muttermilch intranasal verabreicht und überzähliger Liquor aus den regelmäßigen Drainagen gesammelt, aufbereitet und asserviert. Zu den Liquorproben wurden die tagesabhängigen klinischen Daten mithilfe eines Tagesdatenblatts, inklusive Liquor-Routinedaten (Leukozytenzahl, Erythrozytenzahl, Proteinkonzentration, Glukose- und Laktatkonzentration) festgehalten. Die deskriptive Statistik der Basis- und Tagesdaten wurde für die Gesamtpopulation sowie getrennt für ELGAN (< 28 SSW) und LGAN (≥ 28 SSW) berechnet. Hinsichtlich der labormedizinischen Liquor-Parameter wurden die Ausgangswerte statistisch auf Gestationsalter-abhängige Unterschiede überprüft und in Streudiagrammen die Verläufe der einzelnen Kinder sowie in Gruppen, unterteilt nach dem Gestationsalter, dargestellt. Der Zusammenhang des zeitlichen Abstands der intranasalen Muttermilch-Applikationen zu den labormedizinischen Liquorparametern wurde mittels eines gemischten linearen Modells überprüft. Ergebnisse: Insgesamt wurden 15 Kinder in die Studie eingeschlossen, deren klinische Daten erhoben und deren Liquorproben gesammelt wurden. Im Vergleich der klinischen Daten zwischen ELGAN und LGAN zeigten sich, abgesehen vom Zeitpunkt der VP-Shunt-Implantation, keine signifikanten Unterschiede in den klinischen Daten. Es zeigten sich keine Unterschiede der Ausgangswerte der Liquor-Parameter in Abhängigkeit vom Gestationsalter. Die graphische Auswertung offenbarte einen interindividuell stark variierenden longitudinalen Verlauf der Liquor-Parameter und partielle Unterschiede in Abhängigkeit vom Gestationsalter. In der Analyse des Zusammenhangs zwischen dem zeitlichen Abstand zu intranasalen Muttermilch-Gaben und den Liquor-Parameter zeigten sich keine signifikanten Ergebnisse, jedoch signifikante Assoziationen zum Gestationsalter sowie dem chronologischen Alter für die Erythrozytenzahl, Glukose- und Laktatkonzentration im Liquor. Schlussfolgerung: Diese Studie liefert eine erste deskriptive Analyse klinischer Merkmale und labormedizinischer Liquorparameter bei Frühgeborenen mit drainagepflichtigem Hydrozephalus. Das täglich alternierende Cross-over-Design der intranasalen Muttermilchgabe ist in der klinischen Praxis methodisch geeignet und bietet ein belastbares Modell für zukünftige Interventionsstudien. Der explorative Anteil dieser Arbeit zeigt ein spezielles Kollektiv und die große interindividuelle Variabilität der Liquor-Parameter sowie charakteristische Verlaufsprofile auf, die durch das Gestationsalter beeinflusst sind. Im hypothesenprüfenden Teil dieser Arbeit zeigten sich, wie bereits vermutet, keine Veränderungen der Liquor-Routineparameter (Zellzahl, Protein, Glukose, Laktat) in 11 Abhängigkeit vom Applikationszeitpunkt. Diese Routineparameter bilden kurzfristige Effekte intranasaler Interventionen im Liquor nicht ausreichend ab. Die vorliegenden Daten schaffen eine fundierte Grundlage für weiterführende Analysen auf molekularer Ebene. Insbesondere zukünftige Untersuchungen des Liquorproteoms und parakriner Signalträger wie extrazellulärer Vesikel versprechen neue Einblicke in die biologischen Effekte intranasaler Muttermilch-Gaben und eröffnen Perspektiven für potenzielle neuroprotektive Therapiekonzepte.

Item Type: Thesis (PhD thesis)
Translated title:
Title
Language
Cerebrospinal fluid analysis in preterm infants with hydrocephalus: First results from a pilot study on intranasal breast milk
English
Creators:
Creators
Email
ORCID
ORCID Put Code
Lentzen, Bruno Jonas
bruno.lentzen@hotmail.de
UNSPECIFIED
URN: urn:nbn:de:hbz:38-805784
Date: 2026
Language: German
Faculty: Faculty of Medicine
Divisions: Faculty of Medicine > Kinder- und Jugendmedizin > Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
Subjects: Medical sciences Medicine
Uncontrolled Keywords:
Keywords
Language
Frühgeburt
German
Hydrozephalus
German
Liquor cerebrospinalis
German
intranasal
German
intranasale Muttermilch
German
preterm
English
hydrocephalus
English
intranasal breast milk
English
posthemorrhagic hydrocephalus
English
Date of oral exam: 30 March 2026
Referee:
Name
Academic Title
Kribs, Angela
Dr. med.
Hanstein, Bettina
Dr. med.
Refereed: Yes
URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/80578

Downloads

Downloads per month over past year

Export

Actions (login required)

View Item View Item