Caspers, Anja Michaela (2026). Charakteristika und Verlauf von Patienten mit hämatologischen Erkrankungen im Palliativmedizinischen Dienst der Uniklinik Köln. PhD thesis, Universität zu Köln.

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Abstract

Es wurde eine retrospektive Datenerhebung und -analyse durchgeführt, um Patientencharakteristika und die palliativmedizinische Behandlung durch den Palliativmedizinischen Dienst (PMD) von Patienten mit hämatologischen Erkrankungen (HM) und soliden Tumoren (ST) zu vergleichen. Die Studie wurde an Patienten mit hämatologischen Erkrankungen und soliden Tumoren durchgeführt, die zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 31. Dezember 2019 durch den Palliativmedizinischen Dienst der Universitätsklinik Köln (mit-)behandelt wurden. Aus dem Krankenhausinformationssystem wurden Daten zu Patientencharakteristika wie das Alter, das Geschlecht, der Eastern Cooperative Oncology (ECOG) Status, die Symptomlast entsprechend der Hospiz- und Palliativerfassung (HOPE), die Behandlungszeit durch den Palliativmedizinischen Dienst, die Dauer und Häufigkeit von Aufenthalten im Krankenhaus und auf Intensivstationen (ITS) und der Tod der Patienten entnommen. Für Patienten mit hämatologischen Erkrankungen wurden manuell zusätzliche Daten aus dem letzten Entlassungsbrief und dem Entlassungsbrief nach dem ersten Konsil durch den Palliativmedizinischen Dienst entnommen. Diese Daten umfassten das Datum der Erstdiagnose, eine kategoriale Einordnung der hämatologischen Erkrankung, krebsspezifische Therapien zum Zeitpunkt des ersten Konsils sowie der Krankheitsstatus zum Zeitpunkt des ersten Konsils. Insgesamt konnten 2885 Patienten, 412 Patienten mit hämatologischen Erkrankungen (14,3%) und 2473 Patienten mit soliden Tumoren (85,7%) in die Auswertung eingeschlossen werden. Es konnte dargestellt werden, dass Patienten mit hämatologischen Erkrankungen einen schlechteren ECOG Status aufwiesen (ECOG Status 3-4: HM: 69,2%, ST: 65,8%, p < 0,001). Bei Patienten mit hämatologischen Erkrankungen wurden die Symptome Depressivität (HM: 48,8%; ST: 42,1%, p = 0,003), Anspannung (HM: 76%; ST: 75,9%, p < 0,001) und Desorientiertheit/Verwirrtheit (HM: 33,5%; ST: 26,4%, p = 0,003) öfter angegeben als bei Patienten mit soliden Tumoren. Schmerzen (HM: 65%; ST: 73%, p = 0,029), Übelkeit (HM: 24,5%; ST: 35,2%, p = 0,003), Schwäche (HM: 83,7%; ST: 87,8%, p < 0,001), Appetitlosigkeit (HM: 79,4%; ST: 82,1%, p = 0,005), Müdigkeit (HM: 80,1%; ST: 82,3%, p < 0,001) und Hilfebedarf bei Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) (HM: 80,1%; ST: 84,1%, p < 0,001) waren bei Patienten mit soliden Tumoren häufiger. Bei Patienten mit hämatologischen Erkrankungen zeigten sich die mediane Anzahl an Aufenthalten auf ITS (HM: 1; ST: 0, p < 0,001), die mediane Dauer der ITS Aufenthalte (HM: 1,5 Tage; ST: 0,5 Tage, p = 0,005) und die Zahl an dokumentierten Todesfällen während des letzten Krankenhausaufenthaltes (HM: 60,7%; ST: 48,3%, p < 0,001) höher als bei Patienten mit soliden Tumoren. Die Zeit zwischen dem Erstkontakt durch den Palliativmedizinischen Dienst und dem Tod war bei Patienten mit hämatologischen Erkrankungen kürzer als bei Patienten mit soliden Tumoren (HM: 11 Tage; 8 ST: 17 Tage, p < 0,001). Es zeigte sich zudem eine kürzere Behandlungszeit durch den Palliativmedizinischen Dienst bei Patienten mit hämatologischen Erkrankungen als bei Patienten mit soliden Tumoren (HM: 330 Minuten; ST: 400 Minuten, p < 0,001). Im zweiten Teil der Studie wurden aus der Patientengruppe der Patienten mit hämatologischen Erkrankungen 349 Patienten ausgewählt, um drei Subgruppen bilden zu können, die biologische und/oder klinische Eigenschaften gemeinsam hatten: Gruppe 1) Myelodysplastisches Syndrom (MDS) und akute Leukämien (165 Patienten); Gruppe 2) Aggressive Lymphome (111 Patienten) und Gruppe 3) Plasmazellerkrankungen (73 Patienten). Das mediane Zeitintervall zwischen der Erstdiagnose der hämatologischen Erkrankung und dem ersten Konsil durch den Palliativmedizinischen Dienst zeigte sich in Gruppe 3 mit 15 Monaten am längsten im Vergleich zu 4 Monaten für Gruppe 1 und 10 Monaten für Gruppe 2 (p < 0,001). Für die meisten Symptome fanden sich zwischen den Gruppen keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich Prävalenz und Ausprägung. Der Anteil an Patienten der drei Gruppen, die in der vorliegenden Studie untersucht wurden und während oder nach dem ersten Kontakt durch den Palliativmedizinischen Dienst auf einer Intensivstation behandelt wurden, betrug 52,1% (Gruppe 1), 55,9% (Gruppe 2) bzw. 47,9% (Gruppe 3) (p = 0,572). Tod während des Beobachtungszeitraums wurde in 70,9% (Gruppe 1), 57,7% (Gruppe 2) und 47,9% (Gruppe 3) der Fälle dokumentiert (p = 0,02). Die mediane Dauer zwischen dem ersten Konsil und dem Tod lag bei 13 Tagen für Gruppe 1 und 3 und bei 8 Tagen für Gruppe 2 (p = 0,321). Insgesamt zeigte sich im ersten Teil dieser Auswertung also im Vergleich zu Patienten mit soliden Tumoren bei Patienten mit hämatologischen Erkrankungen eine vergleichbare Problem- und Symptomlast, ein kürzerer Abstand zwischen Erstkonsil durch den Palliativmedizinischen Dienst und Tod und mehr Aufenthalte auf Intensivstationen nach dem Beginn der Behandlung durch den Palliativmedizinischen Dienst. Im zweiten Teil der Studie konnte gezeigt werden, dass Patienten der Gruppe 1 (myelodysplastisches Syndrom und akute Leukämien) aufgrund des signifikant kürzeren Zeitintervalls zwischen Erstdiagnose und Erstkonsil möglicherweise eher Kandidaten für eine frühe palliativmedizinische Mitbehandlung nach der Erstdiagnose sind als Patienten der Gruppen 2 und 3. Diese Ergebnisse unterstreichen den hohen palliativmedizinischen Versorgungsbedarf von Patienten mit hämatologischen Erkrankungen. Trotz vergleichbarer Symptom- und Problemast ist die palliativmedizinische Versorgung in dieser Patientengruppe bisher weniger etabliert als bei soliden Tumoren, was auf eine bestehende Versorgungslücke hinweist. Es sind daher prospektive Studien erforderlich, um geeignete Zeitpunkte für die Integration palliativer Versorgung zu definieren und förderliche Strukturen zu identifizieren.

Item Type: Thesis (PhD thesis)
Creators:
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Email
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Caspers, Anja Michaela
anja.caspers@yahoo.de
UNSPECIFIED
UNSPECIFIED
URN: urn:nbn:de:hbz:38-811334
Date: 2026
Language: German
Faculty: Faculty of Medicine
Divisions: Faculty of Medicine > Palliativmedizin > Zentrum für Palliativmedizin
Subjects: Medical sciences Medicine
Uncontrolled Keywords:
Keywords
Language
Palliativmedizin
UNSPECIFIED
Hämatologische Erkrankungen
UNSPECIFIED
Palliativmedizinischer Dienst
UNSPECIFIED
Date of oral exam: 1 June 2026
Referee:
Name
Academic Title
Simon, Steffen
Prof. Dr. med.
Völker, Linus
Privatdozent Dr. med.
Refereed: Yes
URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/81133

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