Hansen, Anna Nina (2026). Langzeitergebnisse der Tiefen Hirnstimulation bei Zwangserkrankung. PhD thesis, Universität zu Köln.

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Abstract

Für einen Teil der Patienten mit schwer ausgeprägter Zwangserkrankung, die von konservativen Therapien nicht ausreichend profitieren, kommt die tiefe Hirnstimulation als Behandlungsoption in Frage. Die in den 1980er Jahren entstandene Therapiemethode zeigt in vielen Studien gute Ansprechraten bei geringem Nebenwirkungsprofil innerhalb der ersten Jahre der Anwendung. Zur Langzeittherapie liegen weiterhin nur begrenzt Daten vor, die ebenfalls von einer suffizienten Reduktion der Zwangssymptome sowie der häufigen Komorbiditäten bei vielen Patienten berichten. Um die Sicherheit und Wirksamkeit der Methode auch bei langfristiger Behandlung zu klären, sind weitere Untersuchungen notwendig. In der vorliegenden Studie wurden retrospektiv Daten von insgesamt 53 Patienten mit THS zur Behandlung der therapierefraktären Zwangserkrankung ausgewertet. Die Daten wurden präoperativ (T0), 12 Monate nach Implantation (T1) sowie bei einem variablen Langzeitfollow-up (T2) erhoben. Die maximale Follow-up Zeit betrug 171 Monate (14,25 Jahre). Den primären Endpunkt stellte die Reduktion der Zwangssymptome dar, sekundäre Endpunkte waren die komorbide depressive Symptomatik, die Impulsivität, die Lebensqualität, das allgemeine Funktionsniveau sowie mögliche Nebenwirkungen der Therapie. Ergänzend erfolgte eine subjektive Einschätzung durch die Patienten. Mit einer Ansprechrate von ungefähr 30% und einer durchschnittlichen Reduktion des Y-BOCS Scores um 22,2% erwies sich die THS in der Langzeitanwendung als effektiv. Die Analyse der Messzeitpunkte zeigte einen signifikanten Unterschied der Zwangsreduktion zwischen den Follow-ups T1 und T2 im präoperativen Vergleich (p<.001 bzw. p=.017), jedoch nicht zwischen den Zeitpunkten T1 und T2 (p=.743). Die Beobachtungen legten ein rasches Ansprechen innerhalb des ersten Anwendungsjahres der THS mit einem nachfolgenden Plateaueffekt nahe. Responder blieben in der Langzeitanwendung Responder. Patienten, die weniger stark oder gar nicht auf die Therapie ansprachen, wiesen fluktuierende Verläufe auf. Nebenwirkungen im Rahmen der THS waren vorübergehend sowie reversibel und traten meist bei Batterieerschöpfung oder kurzzeitigem Ausschalten der Stimulation auf. Besonders häufig waren neurologische Symptome (vorübergehende Gedächtnisstörungen, Par-/Dys- oder Hyperästhesien, Wortfindungs- und Schlafstörungen) sowie teilweise eine ausgeprägte Gewichtszunahme zu beobachten. Komorbide depressive Symptome konnten zwar nicht signifikant (p>.05), jedoch intraindividuell erkennbar reduziert werden. Ein Einfluss auf die Impulsivität war in der vorliegenden Studie nicht messbar. Das allgemeine Funktionsniveau der Patienten konnte mit einer durchschnittlichen Besserung des GAF Scores um 59,3% im Langzeitverlauf deutlich angehoben werden. Analog zur Reduktion des Y-BOCS Scores waren die Unterschiede der einzelnen Follow-ups im Vergleich zu präoperativ (T1 vs. T0 p =.002 und T2 vs. T0 p =.004) signifikant, während zwischen T1 und T2 kein signifikanter Unterschied mehr auftrat (p =.241), was auch hier auf einen Plateaueffekt hindeutet. Die Lebensqualität der Patienten lag zum Zeitpunkt T2 weiterhin unterhalb derer der Normalbevölkerung in Deutschland, ein Vergleich verschiedener Messzeitpunkte innerhalb unserer Kohorte war aufgrund fehlender Werte nicht möglich. Responder und Non-responder wiesen keine signifikanten Unterschiede in der Lebensqualität auf. Dennoch wurde die Patientenzufriedenheit als sehr hoch bewertet. Somit ist die THS auch im Langzeitverlauf als sichere und effektive Therapie der refraktären Zwangserkrankung einzustufen. Weitere Studien insbesondere bezüglich des Langzeitverlaufs sollten größere Kohorten, mögliche Einflüsse weiterer Therapien (medikamentös/psychotherapeutisch) und prognostische Faktoren untersuchen, um geeignete Patientengruppen besser auswählen und individuell gezielter beraten zu können.

Item Type: Thesis (PhD thesis)
Creators:
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Email
ORCID
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Hansen, Anna Nina
ninahansenmail@gmail.com
UNSPECIFIED
UNSPECIFIED
URN: urn:nbn:de:hbz:38-812388
Date: 2026
Language: German
Faculty: Faculty of Medicine
Divisions: Faculty of Medicine > Psychiatrie und Psychotherapie > Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Subjects: Psychology
Medical sciences Medicine
Uncontrolled Keywords:
Keywords
Language
Tiefe Hirnstimulation
German
Zwangsstörung
German
Obsessive-compulsive disorder
English
Deep brain stimulation
English
Treatment-refractory OCD
English
Y-BOCS
English
OCD
English
DBS
English
Langzeitergebnisse
German
Therapieresistente Zwangsstörung
UNSPECIFIED
Date of oral exam: 18 June 2026
Referee:
Name
Academic Title
Kuhn, Jens
Professor Dr. med.
Barbe, Michael
Universitätsprofessor Dr. med.
Refereed: Yes
URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/81238

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