Förstl, Sophia Victoria Emma
(2025).
Kraepelins Frauen. Die ersten Ärztinnen an der Münchener Psychiatrischen Klinik (1907 – 1924).
PhD thesis, Universität zu Köln.
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Abstract
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Biographien von fünfzehn Ärztinnen, die an der Nervenklinik der Universität München in dem Zeitraum zwischen 1907 und 1924 unter Emil Kraepelins Leitung arbeiteten. Dargelegt und analysiert werden die Lebenswege vor, während und nach der Zeit an der Münchener Institution mit den Besonderheiten weiblicher Karrieren im Kontext der politischen Umstände. Die Auswahl der Ärztinnen erfolgte in erster Linie durch die Erwähnung in den Personenver- zeichnissen der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität. Für die biographi- schen Analysen wurden Archivalien, insbesondere aus Universitäts-, Stadt- und Landesarchi- ven und digitalisierte historische Dokumente sowie umfassende Sekundärliteratur herangezo- gen. Zu den jeweiligen Medizinerinnen fanden sich sehr heterogene Dokumente; die Methodik hatte sich daher in gewissem Maße der einzelnen biographischen Kasuistik anzupassen. Die fünfzehn Lebensläufe zeigen eine Vielfalt von Laufbahnen, ergeben damit kein einheitli- ches Bild und dennoch können verbindende Gemeinsamkeiten festgestellt werden, die sich auf das Geschlecht, die politische Situation und die Sondersituation junger Ärztinnen zurück- führen lassen. Acht der hier betrachteten Ärztinnen erlangten die Hochschulreife erst in fortgeschrittenen Jah- ren und teilweise auf Umwegen. Die Mehrzahl entstammte bürgerlichen oder Akademikerfa- milien und war evangelischer Konfession. Während des Ersten Weltkrieges öffneten sich durch die Einberufung der männlichen Kollegen zeitweise die Türen in die Kliniken, zwölf der Medi- zinerinnen wurden in diesem Zeitraum an der Münchener Psychiatrischen Klinik eingestellt. Hier verblieben die meisten nur für etwa ein Jahr. Bemerkenswert ist, wie außergewöhnlich viele angehende Kolleginnen hier beschäftigt wurden im Vergleich zu anderen Einrichtungen an der Ludwig-Maximilians-Universität. Nur eine der fünfzehn Ärztinnen erreichte offiziell eine leitende Position an der Universitätsklinik. Nach der Zeit bei Kraepelin entwickelten sich die Lebenswege sehr unterschiedlich. Eine Ärz- tin forschte als Neuropathologin, sechs waren als Nervenärztinnen tätig, eine wurde Kinder- ärztin und sieben spezialisierten sich nicht zu Fachärztinnen. Drei der untersuchten Akademi- kerinnen wählten eine Anstellung am Gesundheitsamt, welche sozialmedizinisches Engage- ment und Sicherheit im Beruf vereinte – eine seltene Möglichkeit für Frauen zu dieser Zeit. Sozialmedizinisches Interesse spiegelt sich bei einem Drittel auch in der nebenberuflichen Tä- tigkeit als Schulärztin wider. Ein Streben nach Selbstbestimmtheit zeigt sich an der Zahl von acht in eigener Praxis niedergelassenen Ärztinnen. Vier davon wählten das Fach Nervenheil- kunde, eine von ihnen gründete sogar ein eigenes Sanatorium. Ein verhältnismäßig großer Anteil der Gruppe war zumindest zeitweise wissenschaftlich tätig und dennoch wurden ihnen 8 leitende Positionen an Krankenhäusern vorenthalten. Acht der fünfzehn blieben unverheiratet oder wurden geschieden. Die größten Veränderungen während der NS-Zeit erfuhren eine jü- dische und eine zeitweise mit einem jüdischen Mann verheiratete Ärztin. Drei der fünfzehn Ärztinnen, die an Gesundheitsämtern tätigen Medizinalrätinnen, waren erwiesenermaßen Mit- glieder der NSDAP. Bei diesen drei Parteimitgliedern konnte weder eine absolute Überzeu- gung vom noch eine eindeutige persönliche Verantwortung für die Verbrechen des National- sozialismus nachgewiesen werden. Zwei von ihnen wurden in Spruchkammerverfahren als „Mitläuferinnen“ und eine als „Entlastete“ eingestuft. Eine weitere Ärztin durchlief aufgrund völ- kisch-publizistischer Tätigkeit und trotz fehlender Parteimitgliedschaft ebenfalls ein Spruch- kammerverfahren und wurde als „Belastete“ eingruppiert. Den gesellschaftlichen und politi- schen Hürden zum Trotz gelang den Ärztinnen der Weg zum und durch das Medizinstudium mit darauffolgenden anerkennenswerten Karrieren.
| Item Type: | Thesis (PhD thesis) |
| Creators: | Creators Email ORCID ORCID Put Code Förstl, Sophia Victoria Emma sophia_foerstl@yahoo.de UNSPECIFIED UNSPECIFIED |
| URN: | urn:nbn:de:hbz:38-796281 |
| Date: | 2025 |
| Language: | German |
| Faculty: | Faculty of Medicine |
| Divisions: | Faculty of Medicine > Geschichte und Ethik der Medizin > Institut für Geschichte und Ethik der Medizin |
| Subjects: | Medical sciences Medicine Geography and history |
| Uncontrolled Keywords: | Keywords Language Frühe Nervenärztinnen UNSPECIFIED Frauen Medizingeschichte UNSPECIFIED Erste Ärztinnen UNSPECIFIED |
| Date of oral exam: | 13 October 2025 |
| Referee: | Name Academic Title Karenberg, Axel Professor Dr. med. Jessen, Frank O. Universitätsprofessor Dr. med. |
| Refereed: | Yes |
| URI: | http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/79628 |
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