Zander, Michelle
ORCID: 0009-0007-4635-7821
(2026).
Zwischen Digitalisierung und Arbeitsalltag – Dynamiken von Standorten, Logistik und Beschäftigung im Einzelhandel am Beispiel Köln.
PhD thesis, Universität zu Köln.
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Abstract
Die fortschreitende Digitalisierung hat im deutschen Einzelhandel einen tiefgreifenden Wandel ausgelöst, der sich in veränderten räumlichen Mustern und Arbeitsbedingungen zeigt. Das rasante Wachstum onlinebasierter und hybrider Unternehmen hat neue räumliche Muster von Betriebs-, Lager- und Zustellformen hervorgebracht und die Anforderungen an Standorte und Arbeitsbedingungen grundlegend verändert. Bisherige Studien trennen Logistik- und Einzelhandelsstandorte meist analytisch, obwohl sich im digitalen Einzelhandel enge Verknüpfungen zwischen Lager, Geschäft und Zustellung entwickeln, die neue Standortanforderungen mit sich bringen. Zugleich diskutiert die Forschung eine zunehmende Polarisierung zwischen einfachen, oft niedrig entlohnten Tätigkeiten in Lager und Zustellung und neuen, formal höherqualifizierten Tätigkeiten in Administration und Management. Diese Perspektive basiert jedoch überwiegend auf Untersuchungen großer Unternehmen wie Amazon oder Plattformen wie Uber Eats und vernachlässigt die Realität des deutschen Einzelhandels, der zu 99,7 Prozent aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) besteht. Für diese Betriebe fehlen bislang empirisch fundierte Untersuchungen zu Arbeitsbedingungen. Die Dissertation schließt diese Forschungslücke, indem sie am Beispiel der Metropolregion Köln zwei bislang getrennte Perspektiven miteinander verbindet, die geographische Analyse räumlicher Muster von Betriebs-, Lager- und Zustellformen und die arbeitsgeographische Untersuchung der Arbeitsbedingungen von KMU des digitalen Einzelhandels. Auf Grundlage einer Kartierung mit Standortanalyse von 11 Unternehmen (71 Standorte) des digitalen Lebensmittelhandels sowie einer quantitativen Betriebsbefragung (n = 377) wird untersucht, welche Muster hinsichtlich der Standorte und der Beschäftigung bestehen, wie sich diese systematisieren lassen und welche Einflussfaktoren sie prägen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die untersuchten Standorte deutlich in Bezug auf Betriebs-, Lager- und Zustellformen unterscheiden. Mikrologistikzentren des Quick-Commerce mit schneller Lieferung liegen überwiegend in dicht besiedelten innerstädtischen Wohngebieten, während Verteilzentren des reinen und hybriden E-Commerce mit eher langsamer Lieferung in suburbanen Gewerbegebieten konzentriert sind und großflächige Logistikzentren im Stadtumland verortet bleiben. Hybride Filialen mit Click-&-Collect-Option befinden sich in Wohngebieten aller Raumtypen und nutzen bestehende Pfadabhängigkeiten. Insgesamt lassen sich drei typische räumliche Muster identifizieren, die Quick-Commerce-Liefer-Logistik, die Versand-und-Standard-Liefer-Logistik sowie die Click-&-Collect-Logistik, deren Standortwahl durch Faktoren wie Bevölkerungsdichte, Verkehrsanbindung, Flächenverfügbarkeit, Bodenpreise, Pfadabhängigkeiten, Liefergeschwindigkeit, regulatorische Vorgaben und das Handelssegment beeinflusst wird. Ist einer dieser Faktoren besonders relevant, resultiert daraus ein idealtypischer Raumtyp. Zudem wird deutlich, dass Tätigkeiten in erheblichem Maße ortsgebunden sind und sich an unterschiedlichen Standorten spezifische Beschäftigungsmuster herausbilden. Innerstädtische hybride Filialen weisen häufig verdichtete und vielfältige Aufgabenprofile auf, während im Stadtumland stärker standardisierte, logistikorientierte Tätigkeiten dominieren. Diese räumlichen Muster spiegeln sich auch in den Arbeitsbedingungen wider. Die Betriebsbefragung zeigt, dass 44 % der Beschäftigten in atypischen Vertragsformen arbeiten und die Tätigkeiten stark durch eine breite Aufgabenvielfalt geprägt sind. Gleichzeitig übernehmen Beschäftigte zunehmend komplexere Tätigkeiten, ohne dass dies durch formale Qualifikationsanforderungen oder tarifliche Aufwertung abgesichert wäre. Eine klassische Polarisierung zwischen formal niedrig- und hochqualifizierter Arbeit lässt sich nicht beobachten, stattdessen bleibt die mittlere Qualifikationsebene durch kaufmännische Ausbildungsberufe erhalten und verändert sich in ihren Aufgabenprofilen. Im Gegensatz zu großen Plattformunternehmen, die durch stark repetitives Arbeiten und eine deutliche Spaltung zwischen formal hoch- und niedrigqualifizierten Tätigkeiten geprägt sind, zeigen KMU des digitalen Einzelhandels eine deutlich heterogenere Beschäftigungsstruktur. Ursache hierfür sind die kleineren Betriebsgrößen, die standortgebundenen Tätigkeiten und die spezifischen Anforderungen hybrider Betriebsformen, die Polarisierungsprozesse abschwächen und informelle Aufwertungsdynamiken begünstigen. In urbanen Räumen zeigt sich besonders deutlich, dass digitale Handelslogistik und Arbeitsbedingungen eng miteinander verflochten sind und neue Muster räumlicher Verdichtung, funktionaler Überlagerung und arbeitsorganisatorischer Anforderungen hervorbringen. Damit leistet die Dissertation einen Beitrag zu einem integrierten Verständnis der räumlich-gesellschaftlichen Transformation des digitalen Einzelhandels in urbanen Räumen und eröffnet Vergleichsperspektiven für andere Großstadtregionen in Deutschland und Europa.
| Item Type: | Thesis (PhD thesis) |
| Creators: | Creators Email ORCID ORCID Put Code |
| URN: | urn:nbn:de:hbz:38-799173 |
| Date: | 2026 |
| Language: | German |
| Faculty: | Faculty of Mathematics and Natural Sciences |
| Divisions: | Faculty of Mathematics and Natural Sciences > Department of Geosciences > Geographisches Institut |
| Subjects: | Commerce, communications, transport Geography and travel |
| Uncontrolled Keywords: | Keywords Language Geographische Handelsforschung German E-Commerce English Arbeitsbedingungen German |
| Date of oral exam: | 14 January 2026 |
| Referee: | Name Academic Title Dannenberg, Peter Prof. Dr. Hardaker, Sina Prof. Dr. |
| Funders: | RheinEnergie Stiftung |
| Projects: | Integration und Prekarisierung - Beschäftigungsmöglichkeiten im Onlinehandel nach der Pandemie |
| Refereed: | Yes |
| URI: | http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/79917 |
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https://orcid.org/0009-0007-4635-7821