Sellmair, Anne (2026). Kognitive Leistungen von Straftäter*innen mit psychopathischen Persönlichkeitsmerkmalen – die besondere Rolle der Aufmerksamkeit Ergebnisse eines systematischen Reviews mit Meta-Analyse. PhD thesis, Universität zu Köln.

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Abstract

Personen mit hohen Ausprägungen psychopathischer Persönlichkeitsmerkmale zeigen gehäuft antisoziales Verhalten, reduzierte Empathie sowie ein erhöhtes Risiko für gewalttätige Straftaten und Rückfälligkeit. Die Erfassung psychopathischer Merkmale bei Straftäter*innen und insbesondere die Untersuchung ätiologischer Modelle der Psychopathie stellen deshalb ein forensisch, strafrechtlich und gesellschaftlich hoch relevantes Forschungsfeld dar. In der Forschung wird insbesondere der Rolle von Aufmerksamkeitsprozessen eine zentrale Bedeutung im Zusammenhang mit ätiologischen Aspekten der Psychopathie zugeschrieben. Während zahlreiche Studien Unterschiede zwischen den Aufmerksamkeitsleistungen von Straftäter*innen mit hohen und niedrigen Ausprägungen psychopathischer Merkmale untersucht haben, existiert bisher kein systematisches Review, das sich explizit mit neuropsychologischen Aufmerksamkeitsunterschieden zwischen Straftäter*innen mit unterschiedlichen Ausprägungen psychopathischer Merkmale befasst. Ziel der vorliegenden Arbeit war es daher, die untersuchten Subdomänen der Aufmerksamkeit sowie die eingesetzten neuropsychologischen Testverfahren zu identifizieren und die behavioralen Aufmerksamkeitsleistungen bei Straftäter*innen mit hohen und niedrigen Ausprägungen psychopathischer Persönlichkeitsmerkmale zu analysieren. Hierzu wurde im Rahmen eines übergeordneten systematischen Reviews mit breiteren Forschungsfragen ein systematisches Review mit Meta-Analyse gemäß den Richtlinien des Cochrane Handbook durchgeführt. Die Literaturrecherche erfolgte in den Datenbanken MEDLINE, PsycInfo, Web of Science und CENTRAL für den Zeitraum bis Mai 2021 und wurde durch eine Update-Suche bis 2024 sowie eine ergänzende manuelle Suche erweitert. Eingeschlossen wurden Studien mit erwachsenen Straftäter*innen in forensischen oder institutionellen Settings, bei denen psychopathische Merkmale mittels PCL-R oder validierter Varianten erfasst und Aufmerksamkeitsleistungen mit standardisierten neuropsychologischen Testverfahren untersucht wurden. Die Meta-Analysen wurden unter Verwendung eines Random-Effects-Modells mit standardisierten Mittelwertdifferenzen durchgeführt, und das Risiko systematischer Verzerrung wurde anhand der individuell angepassten Critical Appraisal Checklist for analytical cross sectional studies des JBI bewertet. Insgesamt wurden 18 Studien eingeschlossen, die eine hohe methodische und inhaltliche Heterogenität aufwiesen. Am häufigsten wurden die Subdomänen der selektiven und geteilten Aufmerksamkeit untersucht. Einzelne Studien zeigten signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen, insbesondere in Form reduzierter Interferenz im Stroop-Paradigma sowie einer erhöhten Zielgenauigkeit bei sequenziellen Aufgaben zugunsten der Gruppe mit hohen PCL-R-Werten. Die durchgeführten Meta-Analysen im Oddball- und Go/No-Go-Paradigma ergaben jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich Reaktionszeit, Zielgenauigkeit oder Fehlerquoten. Die Mehrzahl der Studien wies ein niedriges bis moderates Risiko systematischer Verzerrung auf, wobei die Berichtsqualität hinsichtlich Studienpopulation und Setting häufig eingeschränkt war. Zusammenfassend deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Unterschiede in behavioralen Aufmerksamkeitsleistungen zwischen Straftäter*innen mit hohen und niedrigen Ausprägungen psychopathischer Merkmale nicht konsistent nachweisbar sind, obwohl einzelne Befunde auf spezifische Unterschiede in der selektiven Reizverarbeitung hindeuten. Zukünftige Studien sollten größere und diversere Stichproben, insbesondere unter Einbezug weiblicher Probandinnen und extramuraler Kontrollgruppen, sowie standardisierte Berichtsformate berücksichtigen. Die Untersuchung von Aufmerksamkeitsprozessen stellt einen wichtigen Ansatz zur weiteren Aufklärung der Psychopathie dar und könnte langfristig zur Entwicklung gezielter kognitiver Interventionsstrategien beitragen.

Item Type: Thesis (PhD thesis)
Creators:
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Email
ORCID
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Sellmair, Anne
annesellmair@hotmail.de
UNSPECIFIED
UNSPECIFIED
URN: urn:nbn:de:hbz:38-801411
Date: 2026
Language: German
Faculty: Faculty of Medicine
Divisions: Faculty of Medicine > Psychiatrie und Psychotherapie > Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Subjects: Psychology
Medical sciences Medicine
Uncontrolled Keywords:
Keywords
Language
Psychopathie
German
Aufmerksamkeit
German
Straftäter*innen
German
Forensische Population
German
Selektive Aufmerksamkeit
German
Geteilte Aufmerksamkeit
German
Systematisches Review
German
Meta-Analyse
German
PCL-R
German
Kognition
German
Kognitive Funktionen
German
Neuropsychologie
German
Date of oral exam: 19 December 2025
Referee:
Name
Academic Title
Kalbe, Elke
Prof.
Refereed: Yes
URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/80141

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