Eckhardt, Nora Marie ORCID: 0000-0003-2730-4103 (2026). Der Einfluss einer praktisch-edukativen Mundhygieneintervention auf die Mundgesundheit und Mundhygiene bei akutgeriatrischen Patienten: Eine randomisierte kontrollierte Studie. PhD thesis, Universität zu Köln.

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Abstract

Der demografische Wandel bedingt eine kontinuierliche Zunahme des Anteils der älteren Bevölkerung, die mit einer gesteigerten Inanspruchnahme stationärer Krankenhausbehandlungen durch multimorbide geriatrische Patienten einhergeht. Ältere Menschen weisen aufgrund altersassoziierter kognitiver und motorischer Einschränkungen häufig eine unzureichende Mundgesundheit und defizitäre Mundhygiene auf, die sich in erhöhten Mundhygieneindizes wie erhöhten Plaque-Werten widerspiegelt. Unzureichende Mundgesundheit und defizitäre Mundhygiene sind mit diversen kurz- und langfristigen Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit, wie beispielsweise Malnutrition und reduzierter mundgesundheitsbezogener Lebensqualität, assoziiert. Zudem nimmt die Inanspruchnahme zahnärztlicher Behandlungen mit steigendem Alter und Pflegebedarf ab. Speziell im stationären Setting stellt unzureichende Mundhygiene einen Risikofaktor für die Entstehung von Aspirationspneumonien dar. Dennoch sind in der multiprofessionellen geriatrischen stationären Versorgung in Deutschland zahnärztliche Untersuchungen bislang kein regulärer Bestandteil des Behandlungsstandards. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Wirksamkeit einer praktisch-edukativen Mundhygieneintervention im Vergleich zur üblichen Versorgung bei älteren, multimorbiden Patienten während eines akutgeriatrischen Krankenhausaufenthalts auf die Verbesserung der Mundhygiene, konkret des Plaque-Index, zu evaluieren. Im Rahmen einer randomisierten, kontrollierten Studie (RCT) wurden Patienten der Universitären Altersmedizin an der Uniklinik Köln eingeschlossen, die zum Zeitpunkt des Studieneinschlusses über mindestens vier eigene Zähne verfügten, zu Hause lebten und über 60 Jahre alt waren. Die Interventionsgruppe nahm an einer strukturierten praktisch-edukativen Mundhygieneintervention teil. Diese umfasste eine Schulung über die Bedeutung der Mundgesundheit und Mundhygiene zur Steigerung der Mundgesundheitskompetenz, die gemeinsame Optimierung der bestehenden Mundhygieneroutine sowie eine praktische Übung bei deren Durchführung. Zu Studienbeginn (Baseline), vor der Entlassung (Follow-Up 1) und drei Monate nach der Entlassung (Follow-Up 2) wurden zahnärztliche Untersuchungen durchgeführt. Der primäre Endpunkt war die Verbesserung des individuellen Plaque-Index zwischen der Baseline um einen Punkt an Follow-Up 2 (FU-2). Der Untersuchungszeitraum umfasste sowohl den stationären Aufenthalt sowie die Situation nach dem stationären Aufenthalt. Weitere Parameter umfassten demografische und allgemeinmedizinische Daten aus der Patientenakte, das geriatrische Assessment, geriatrische Syndrome sowie Befunde zur Mundgesundheit, der Mundhygiene und mundgesundheitsbezogener Lebensqualität. Von 135 gescreenten Patienten konnten 36 Teilnehmer (Durchschnittsalter 79,6 ± 8,1 Jahre) innerhalb eines Jahres eingeschlossen werden. Die Interventionsgruppe (n=19) zeigte zum Follow-Up 1 eine Reduktion des Plaque-Index mit einer durchschnittlichen Verbesserung von 0,5 Punkten (p < 0,001; d = 1,2), während in der Kontrollgruppe keine Verbesserungen verzeichnet wurden (p > 0,05; d = -0,1). Die Studienpopulation wies insgesamt eine stark reduzierte Mundhygienefähigkeit auf. Höhere Werte bei der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität waren mit besseren Ergebnissen verbunden, während Immobilität den Mundhygienefortschritt reduzierte. Die Nachbeobachtung zum Zeitpunkt von FU-2 wurde durch populationsspezifische, gesundheitsbedingte sowie strukturelle Barrieren erschwert und war von einer hohen Drop-out-Rate geprägt, sodass lediglich vier Teilnehmer die Studie bis zum FU-2 vollständig abschlossen. Die Intervention führte bei dieser vulnerablen Hochrisikogruppe geriatrischer Patienten im stationären Kontext zu einer Verbesserung der Mundhygiene. Dennoch wurden im Rahmen der krankenhausbasierten Diagnostik erhebliche und weit verbreitete Defizite in der Mundhygiene und -gesundheit akutgeriatrischer Patienten offensichtlich. Die Implementierung eines strukturierten Mundgesundheitsscreenings im Rahmen des geriatrischen Assessments könnte einen wesentlichen Beitrag zur Etablierung der Mundgesundheit als integralen Bestandteil der allgemeinen Gesundheitsversorgung im Alter leisten. Die festgestellten Defizite in der Mundhygiene verdeutlichen den erheblichen Unterstützungsbedarf, insbesondere hinsichtlich der Durchführung durch Pflegefachkräfte während des stationären Aufenthalts sowie der strukturierten Organisation der Mundhygieneversorgung im häuslichen Umfeld nach der Entlassung.

Item Type: Thesis (PhD thesis)
Creators:
Creators
Email
ORCID
ORCID Put Code
Eckhardt, Nora Marie
mie.eckhardt@gmail.com
UNSPECIFIED
URN: urn:nbn:de:hbz:38-802533
Date: 2026
Language: German
Faculty: Faculty of Medicine
Divisions: Faculty of Medicine > Innere Medizin > Klinik II für Innere Medizin - Nephrologie, Rheumatologie, Diabetologie und Allgemeine Innere Medizin
Subjects: Medical sciences Medicine
Uncontrolled Keywords:
Keywords
Language
Geriatrie
German
Hospitalisierung
German
Frailty
German
Mundhygiene
German
Date of oral exam: 5 March 2026
Referee:
Name
Academic Title
Polidori Nelles, Maria Cristina
Universitätsprofessorin Dr. med. Dr.
Rink-Notzon, Svenja
Privatdozentin Dr. med. Dr. med. dent.
Refereed: Yes
URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/80253

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