Mörs, Michaela
ORCID: 0009-0001-9211-1204
(2026).
Digital Feedback Literacy als Komponente akademischer Schreibkompetenz –
Eine quantitative Studie zu Peer-Feedback von Lehramtsstudierenden.
PhD thesis, Universität zu Köln.
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Abstract
Akademische Schreibkompetenz stellt eine Schlüsselkompetenz für ein erfolgreiches Studium dar. Ihre Entwicklung ist eine zentrale Lernaufgabe für Studierende und bedeutet zugleich eine Enkulturation in die jeweilige scientific community. Innerhalb einer scientific community ist das wissenschaftliche Schreiben ebenfalls als sozialer Prozess anzusehen: Zum einen, weil es eine kommunikative Funktion erfüllt, zum anderen, weil es häufig kooperativ erfolgt. Eine Form kooperativen Schreibens stellt dabei der Austausch von (Peer-)Feedback zu Texten dar. Peer-Feedback kann nicht nur zur Verbesserung von Textqualität, sondern auch zu einem fachlichen und schreibbezogenen Kompetenzausbau beitragen und ist somit auch für didaktische Schreibsettings – sowohl in der Schule als auch in der Hochschule – relevant. Die Wirksamkeit von (Peer) Feedback unterliegt allerdings einer hohen Varianz. Damit eine Erhöhung der Textqualität sowie ein Kompetenzausbau – sowohl aufseiten der Empfänger*innen, als auch der Sendenden – erfolgen kann, muss Feedback vornehmlich auf higher order concerns ausgerichtet sein, während lower order concerns eine nur untergeordnete Rolle spielen sollten. Zudem beeinflussen personale Faktoren (Feedback Literacy der Gebenden und Empfangenden) sowie kontextuelle Faktoren wie das Schreibmedium die Gestaltung von Feedback. Die Digitalisierung erfordert dabei eine Erweiterung der Feedback Literacy um digitale Kompetenzen. In der empirischen Untersuchung im Rahmen der Dissertation wurde erfasst, wie Studierende Feedback an ihre Peers gestalten, auf welche sprachlichen und textuellen Aspekte sie eingehen und inwiefern Merkmale des Feedbacks im Zusammenhang mit ihrer Schreibkompetenz sowie dem jeweils verwendeten Schreibmedium zu sehen sind. Hierfür wurde ein Experiment mit Lehramtsstudierenden (N = 50) durchgeführt, die Feedback zu zwei verschiedenen Texten in zwei verschiedenen Schreibmedien (handschriftlich auf Papier und in Word) verfassten. Um die Schreibkompetenz, Mediennutzungspräferenzen sowie vorausgegangene Erfahrungen mit Peer-Feedback-Verfahren als Hintergrundvariablen in die Analysen einbeziehen zu können, bearbeiteten die Studierenden zusätzlich eine Schreibaufgabe sowie einen Fragebogen. Die Untersuchung zeigte unter anderem, dass selbst Studierende mit vergleichsweise höherer Schreibkompetenz ihr Feedback vorwiegend auf lower order concerns fokussierten, während inhaltliche oder strukturelle Aspekte deutlich seltener adressiert wurden. Die Schreibkompetenz sowie Vorerfahrungen mit Peer-Feedback wirkten sich lediglich in quantitativer, nicht aber in qualitativer Hinsicht auf die Gestaltung des Feedbacks aus. Formen elaborierten Feedbacks (Bearbeitungshinweise, Erklärungen, Fragen) spielten insgesamt nur eine marginale Rolle; stattdessen dominierten direkte Eingriffe in den Text sowie Revisionsvorschläge in Randkommentaren. Im Medienvergleich erwies sich digital erstelltes Feedback als komplexer: So fanden sich häufiger Kombinationen aus verschiedenen Feedbacktypen sowie Beschreibungen von Fehlern, Richtigstellungen und Begründungen. Zudem wurden häufiger umfangreiche Formulierungsvorschläge in Randkommentaren gegeben. Diese ermöglichen einen unmittelbaren Vergleich mit der eigenen Formulierung und können dadurch eine reflektierte Entscheidung über deren Übernahme unterstützen. Papierbasiertes Feedback enthielt dagegen mehr reine Markierungen, die für Empfänger*innen schwer interpretierbar sein können. Es wurden also Vorteile des Computers als Schreibwerkzeug für die Feedbackgabe ersichtlich; die Potenziale wurden von den Teilnehmenden jedoch nicht in ausreichendem Maße genutzt. Die Befunde verdeutlichen, dass die Feedback Literacy der Studierenden insgesamt als ausbaufähig einzustufen ist; als didaktische Implikationen schließt sich die Forderung nach einem stärkeren Einbezug von Peer-Feedback-Verfahren – vor allem auch unter Nutzung digitaler Schreibmedien – im schulischen Unterricht und der universitären Lehre an. Hierbei ist eine explizite und strukturierte Anleitung sowie ausreichend Übungsmöglichkeiten für die Lernenden zur Erstellung, aber auch zur Weiterverarbeitung von Feedback notwendig. Dies erfordert wiederum entsprechende Vermittlungskompetenzen aufseiten von Lehrpersonen, denen im Lehramtsstudium zudem eine wichtige Multiplikationsrolle zukommt.
| Item Type: | Thesis (PhD thesis) |
| Creators: | Creators Email ORCID ORCID Put Code |
| URN: | urn:nbn:de:hbz:38-811775 |
| Date: | 2026 |
| Language: | German |
| Faculty: | Faculty of Arts and Humanities |
| Divisions: | Faculty of Arts and Humanities > Fächergruppe 3: Deutsche Sprache und Literatur > Mercator Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache |
| Subjects: | Language, Linguistics Germanic |
| Uncontrolled Keywords: | Keywords Language Schreibkompetenz German Akademische Schreibkompetenz German Feedback German Peer Feedback German Feedback Literacy German Digital Feedback Literacy German |
| Date of oral exam: | 15 July 2025 |
| Referee: | Name Academic Title Becker-Mrotzek, Michael Prof. Dr. |
| Refereed: | Yes |
| URI: | http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/81177 |
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https://orcid.org/0009-0001-9211-1204