Zander, Annette Elisabeth (2003). Die außergerichtliche Konfliktregelung im elektronischen Geschäftsverkehr. PhD thesis, Universität zu Köln.

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Zander_(2003,_Dissertation)_Die_aussergerichtliche_Konfliktregelung_im_elektronischen_Geschaeftsverkehr.pdf

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Abstract

Die Arbeit beschäftigt sich mit neuen Formen der außergerichtlichen Konfliktregelung (ADR), die speziell auf die Lösung von Konflikten im elektronischen Geschäftsverkehr ausgerichtet sind. Die neuen Mechanismen sollen effektiver, flexibler, billiger, schneller und sachnäher als gerichtliche Verfahren sein. Es lassen sich im Wesentlichen zwei Haupttypen von Verfahren unterscheiden. Zum einen gibt es nutzerorientierte Verfahren, die das Vertrauen der Nutzer in den elektronischen Geschäftsverkehr stärken sollen (E-Confidence). Zum anderen existieren besondere technische Mechanismen, die darauf ausgerichtet sind, Urheber- und Kennzeichenrechte vor Cyber-Piraten, Domaingrabbern und anderen Gefahren zu schützen. Nach deutschem Recht unterliegen die außergerichtlichen Verfahren bisher so gut wie keinen rechtlichen Rahmenbedingungen. Auf europäischer Ebene stellt die außergerichtliche Konfliktregelung eine mehrfach erklärte politische Priorität dar. Bisher gibt es jedoch kaum zwingende Vorschriften. Die Entwicklung und Kontrolle der neuen Systeme wird in erster Linie der privaten Initiative und den Selbstregulierungskräften im Netz überlassen. Trotz der hohen Erwartungen bestehen allerdings erhebliche Bedenken in Hinblick auf die Effektivität der neuen Verfahren und die Wahrung elementarer Rechte der Parteien. Es ist zweifelhaft, ob sich die vermeintlichen Vorteile der neuen Verfahren in dem Maße verwirklichen lassen, wie allseits erhofft. Zumindest gegenwärtig können sie den Zugang zum Recht nicht wirklich verbessern. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass sowohl die einzelnen Konfliktregelungsmechanismen als auch das gesamte Konfliktregelungsangebot nicht hinreichend transparent sind. Außerdem ist die Wahrung anerkannter Verfahrensgarantien im Rahmen der Konfliktregelung nicht sichergestellt. Die neuen Mechanismen verringern schließlich auch die Möglichkeit der Regierungen, auf die Entwicklung und Durchsetzung des materiellen Rechts Einfluss zu nehmen. Die Selbstregulierungskräfte im Netz allein sind nicht ausreichend, um den genannten Bedenken zu begegnen. Es gibt viele Gründe für ein Marktversagen, die verhindern, dass alleine durch die Selbstregulierungskräfte vernünftige und gerechte Ergebnisse erzielt werden. Die E-Commerce-Teilnehmer sind nicht an öffentliche Interessen, wie z.B. die Meinungsfreiheit, den Schutz der Privatsphäre und den Verbraucherschutz gebunden, die die Regierungen in der Offline-Welt mit den privaten Schutzrechten Dritter in Einklang bringen müssen. Auch der Einsatz neuer Technologien bietet keine Lösungen für diese Probleme. Die neuen Technologien sind auf die Durchsetzung der Konfliktregelungsergebnisse beschränkt, bieten aber keine Lösung für die Frage, wie bestimmte Standards und wichtige Werte in den Konfliktregelungsprozess eingebettet werden können. Die nationalen Regierungen und internationalen Organisationen müssen deshalb Maßnahmen ergreifen, um eine faire und effektive Konfliktregelung im elektronischen Geschäftsverkehr sicherzustellen. Da sich die Entwicklung der neuen Systeme noch in den Anfängen befindet und nicht durch voreilige und unausgereifte Regelungen gebremst werden soll, müssen zunächst die Grundbedingungen für die Entwicklung effektiver und fairer Verfahren geschaffen werden. In einem ersten Schritt sollten deshalb die bestehenden Transparenz- und Informationsdefizite angegangen werden.

Item Type: Thesis (PhD thesis)
Translated title:
TitleLanguage
Alternative dispute resolution in electronic commerceEnglish
Translated abstract:
AbstractLanguage
This thesis deals with new forms of alternative dispute resolution (ADR), which are particularly designed to provide solutions for conflicts in electronic commerce. They are supposed to be more effective, more flexible, cheaper, faster, and simply closer to the subject of the conflict. One can distinguish between two major types of online dispute resolution. On the one hand, there are consumer orientated schemes, which aim to boost consumer confidence in online transactions (E-Confidence). On the other hand, there are rather technical systems designed to protect copyrighted work and trademarks against cyber pirates, cybersquatters and other perils. At present, German law does not have detailed framework regulations on ADR. On an European level, ADR has repeatedly been declared a political priority by European Union institutions. So far, however, there are hardly any binding regulations. The development and control of the new systems are mainly left to private initiatives and self regulation. Yet, despite the high expectations, there are major concerns with respect to the effectiveness of the new systems and the protection of important public interests and basic rights of the parties. The alleged advantages of the new dispute resolution systems are arguable. So far, access to justice is not really improved, as there is a lack of transparency in the range of different systems and in the dispute resolution process itself. In addition, the new mechanisms do not protect certain traditional components of procedural due process in dispute resolution and they decrease the power of governments to shape and enforce substantive law. The self-regulation forces in the internet community alone are not able to meet these objections. E-Commerce transactions often take place under conditions of market failures which prevent a fair and rational outcome from being reached through pure market forces. They need not necessarily include public interests, such as free speech, privacy protection, and consumer protection, that real world governments balance against private property rights. The new technical possibilities do not provide a solution to these problems, either. They are limited to the enforcement of the dispute resolution outcomes but do not solve the central problem how to embed certain standards and important values in the dispute resolution process. Thus, governments and international organisations need to intervene in order to guarantee fair an effective online dispute resolution. As the development of the new systems is only in its early stages and shall not be hampered by premature and poorly conceived regulations, governments first need to lay the basis for the forming of effective and fair systems. Thus, as a first, step the existing transparency and information deficits need to be addressed.English
Creators:
CreatorsEmailORCIDORCID Put Code
Zander, Annette Elisabethannette_zander@gmx.deUNSPECIFIEDUNSPECIFIED
URN: urn:nbn:de:hbz:38-9602
Date: 2003
Language: German
Faculty: Faculty of Law
Divisions: Faculty of Law > Zivilrecht > Professur für Verfahrensrecht
Subjects: Law
Uncontrolled Keywords:
KeywordsLanguage
ADR , ODR , E-Commerce , elektronischer Geschäftsverkehr , SelbstregulierungGerman
ADR , ODR , e-commerce , self-regulationEnglish
Date of oral exam: 25 May 2003
Referee:
NameAcademic Title
Prütting, Hanns Prof. Dr.UNSPECIFIED
Refereed: Yes
URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/960

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