Böke, Martin (2008). Die Rolle der Emotionen im traditionellen chinesischen Medizinsystem. Masters thesis, Universität zu Köln.

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Abstract

In den vergangenen Dekaden hat, besonders in der Ethnologie, das Interesse am Thema �Emotionen� stark zugenommen. Hierbei war die Frage vor allem, wie werden Emotionen in unterschiedlichen Kulturen verstanden, modelliert und mit anderen Teilsystemen der Kultur verbunden. Einer dieser Bereiche betrifft das Verständnis des Zusammenspiels von Gesundheit und Krankheit mit affektiven Zuständen. Im Gegensatz zu abendländischen, von Descartes geprägten Auffassungen von einer Trennung von Psyche und Soma findet sich in anderen Kulturen diese Trennung nicht oder nur eingeschränkt. Ein interessantes Beispiel dafür bietet die traditionelle chinesische Medizin (TCM) mit ihrer auf Harmonie und Gleichgewichtszuständen basierenden Humoralmedizin. In seiner Magisterarbeit hat sich Martin Böke die Frage gestellt, inwieweit sich in der TCM Zusammenhänge zwischen Emotionen und Vorstellungen von Krankheitsursachen finden lassen und in welcher Art und Weise diese Verbindungen verstanden werden. Einen ersten Schwerpunkt zur Untersuchung dieses Themas bietet die Analyse wesentlicher klassischer chinesischer Texte, welche Herr Böke unterteilt in philosophische und medizinische Abhandlungen, und die, wie er zeigen kann, in Zusammenhang zu sehen sind. Anhand ausgewählter Zitate gelingt es ihm, Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede in den Vorstellungen über Emotionen und �Emotionsmanagement� herauszuarbeiten und aufzuzeigen, dass Emotionen durch ihr Wirken auf die auf Harmonie basierenden Systeme der �Funktionskreise� und �5 Wandlungsphasen� als pathogen betrachtet werden. Im nachfolgenden Kapitel analysiert er gegenwärtige Lehrbücher der TCM unter besonderem Interesse der Metaphern, die, wie in anderen Sprachen auch, emotionale Zustände be- bzw. umschreiben. Hier wird deutlich, dass einerseits Psyche und Soma als untrennbar betrachtet werden, andererseits im Sinne einer angestrebten Harmonie das Stigma einer �einseitigen� psychischen Unausgeglichenheit verhindert werden muss. In den folgenden Fallstudien kann Herr Böke nun zeigen, dass sich Arzt und Patient einer �somatisierenden Sprache� bedienen und psychische Missstände in körperlichen ausdrücken, um jede Form der Beschämung und Stigmatisierung zu vermeiden. Einen Sonderfall bietet hier die Diagnose �Neurasthenie�, die in der TCM als eine Schwächung oder Störung diverser Funktionskreise betrachtet wird, wodurch offensichtliche soziale und darauf basierende psychische Störungen unausgesprochen bleiben und eine Stigmatisierung somit vermieden wird. Durch die Verknüpfung der Bereiche Ethnologie und Sinologie konnte Herr Böke in seiner Arbeit in komprimierter Form Zusammenhänge klären und interpretieren, wie sie bisher kaum dargestellt wurden.

Item Type: Thesis (Masters thesis)
Creators:
CreatorsEmailORCID
Böke, Martinm.boeck@uni-koeln.deUNSPECIFIED
URN: urn:nbn:de:hbz:38-27007
["eprint_fieldname_local_series" not defined]: Kölner ethnologische Beiträge
Volume: 27
Subjects: Customs, etiquette, folklore
Uncontrolled Keywords:
KeywordsLanguage
Chinesische Medizin , Traditionelle Medizin , Emotionen , Medizinanthropologie , MagisterarbeitGerman
Chinese medicine , Traditional medicine , Emotions , Medical anthropology , MA thesesEnglish
Faculty: Faculty of Arts and Humanities
Divisions: Faculty of Arts and Humanities > Department of Social and Cultural Anthropology
Language: German
Date: 2008
Full Text Status: Public
Date Deposited: 06 Apr 2009 06:02
URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/2700

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