Morawski, Michael (2019). Von und mit Sprache lernen - Identifikation von Sprachbewusstsein und Entwicklung von Förderstrategien für den sprachsensiblen Geographieunterricht durch eine Analyse des bilingualen Geographieunterrichts. PhD thesis, Universität zu Köln.

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Michael Morawski - Von und mit Sprache lernen - Dissertation 2019.pdf

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Abstract

Die erhöhte sprachliche Heterogenität der Schüler*innen (nicht nur) in deutschen Geographiestunden beeinflusst und verändert das Unterrichten und die Lehramtsausbildung. Es ist eine Veränderung hin zum sprachbewussten Unterrichten in Geographie - ein Fachunterricht, der heute noch hauptsächlich monolingual auf Deutsch stattfindet. In diesem Kontext bedeutet Sprachbewusstsein in der Geographiedidaktik eine stärkere Fokussierung auf die sprachlichen Anforderungen im Geographieunterricht und auf Möglichkeiten, Schüler*innen dabei zu unterstützen, diese durchzuführen. In dem Forschungsprojekt wurde sich zunächst im ersten und zweiten Artikel der kumulativen Dissertation der Frage genähert, inwiefern bilinguale Geographielehrkräfte sprachliche Anforderungen im bilingualen Geographieunterricht reflektieren und wie sie (fach-)sprachliche Fähigkeiten über praktische Methoden und Strategien fördern. Im dritten Artikel sollte untersucht werden, inwie-fern bilinguale Geographielehrwerke sprachliche Hilfskonzepte auf unterschiedlichen Anforderungsebenen anbieten. Dabei sollen die Ergebnisse dabei helfen, Empfehlungen für die sprachliche Förderung im sprachbewussten Geographieunterricht abzuleiten. Die Hypothese, die zugrunde lag, war, dass bilingual unterrichtende Lehrkräfte aufgrund ihrer Erfahrungen im simultanen Unterrichten von Sprache und Inhalt, detailliertes geographisches Sprachbewusstsein und intensive Methoden zur Sprachförderung entwickeln und nutzen. Zur Strukturierung der Untersuchung wurde ein theoretisches Modell zu den sprachlichen Anforderungen im Geographieunterricht entworfen. Die empirische Arbeit der Dissertation fußt auf der methodischen Triangulation (Denzin, 1970) und setzt sich aus 16 durchgeführten halbstrukturierten Experteninterviews bilingual unterrichtender Geographielehrkräfte, einer quantitativen sowie qualitativen Schulbuchanalyse bilingualer Geogra-phielehrwerke und einer Fallstudie zur Effektivität der Methode Peer-Feedback im sprachbewussten monolingualen Geographieunterricht, die von den Lehrkräften im bilingualen Geographieunterricht verwendet wird, zusammen. Die Ergebnisse der Interviews zeigen, dass die bilingualen Lehrkräfte intensiv die sprachlichen Anforderungen in ihrem Unterricht reflektieren und detaillierte Ziele artikulieren. Genau wie die Schulbücher, verwenden sie ein umfangreiches Arsenal an Strate-gien und Ansätzen, bspw. und u.a. im Bereich der visuell unterstützenden Material- und Aufgabenstrukturierung, der Sprachmediation und des kooperativen Sprachfeedbacks, zur sprachlichen Förderung im Fach Geographie. Die Analyse der Schulbücher zeigt jedoch auch, dass bezogen auf die Ansprüche der sprachlichen Förderung in einem modernen und kompetenzorientierten Geogra-phieunterricht Optimierungsbedarf festzustellen ist. Eine der identifizierten Fördermaßnahmen aus dem bilingualen Unterricht ist das kooperative Schreibfeedback oder Peer-Feedback, welches in der Fallstudie hinsichtlich der Bedeutung für den „normalen“ Fachunterricht näher evaluiert wurde. Kooperatives Schreibfeedback erweist sich sowohl im bilingualen Geographieunterricht als auch in empirischen, internationalen Forschungen als innovative und erfolgreiche Methode zur Förderung der (fach-)sprachlichen Schreibkompetenz (u.a. Evagorou & Osborne, 2013, Breidbach & Vie-brock, 2012, S. 7ff.; Morawski & Budke, 2017). Das Forschungsvorhaben thematisiert daher im letzten Artikel der kumulativen Dissertation die Frage, wie Schüler*innen in der Interaktion durch kooperatives Schreibfeedback Argumentationstexte zu einem interkulturellen, poltisch-geographischen Problem auf (fach-)sprachlichen Ebenen und auf der Ebene der Argumentationsqualität verbessern können. Bei den Ergebnissen ist festzuhalten, dass es sich um eine erfolgreiche Exploration handelt, da die meisten Schüler*innen Rechtschreibung und Grammatik, die Qualität der Argumente und die Qualität des argumentativen Textes in Bezug auf fachsprachliche Mittel verbesserten. Es zeigen sich aber Unterschiede in dem Grad und der Art der Verbesserungen, in der Akzeptanz und Art der Durchführung von Peer-Feedback. Die identifizierten Ergebnisse zeigen großes Potenzial, Peer-Feedback als Förderinstrument von schriftlicher Argumentation im Fach Geographie und benachbarten Fächern einzusetzen und weiter zu erforschen. Diese Ergebnisse bieten sich neben den Hinweisen zur Medienentwicklung durch die Schulbuchanalyse und den Ergebnissen der Interviews als Methoden- und Strategienpool an, um für Geographielehrkräfte auch im monolingualen und sprachbewussten Geographieunterricht umfangreiche Angebote zur sprachlichen Förderung zu schaffen. Die empirische Arbeit dient - und das ist der große Mehrwert - somit zur konzeptionellen Aufbereitung von sprachlichen Förderstrategien im bilingualen Unterricht. Dabei müssen natürlich von den Lehrkräften der jeweilige inhaltliche wie soziale Kontext und die Jahrgangsstufe hinsichtlich der sprachlichen Anforderungen differenziert reflektiert und die hier identifizierten Methoden darauf abgestimmt werden.

Item Type: Thesis (PhD thesis)
Translated title:
TitleLanguage
Learning from and with language - Identification of language awareness and development of strategies for language-aware geography teaching through an analysis of bilingual geography teachingEnglish
Translated abstract:
AbstractLanguage
The increased linguistic heterogeneity of pupils (not only) in German geography classes influences and changes teaching and teacher training. It is a change towards language-aware teaching in geog-raphy, a subject that still takes place today mainly monolingually in German. In this context, language awareness in geography education means a stronger focus on the linguistic requirements in geography lessons and on ways to support students in carrying them out. In the research project, the first and second article of the cumulative dissertation approached the question of to what extent bilingual geography teachers reflect linguistic requirements in bilingual geography teaching and how they promote (subject-specific) linguistic skills through practical teach-ing methods and strategies. The third article was intended to examine the extent to which bilingual geography textbooks offer linguistic support concepts at different levels of requirement. The results should help to derive recommendations for language support in language-aware geography lessons. The hypothesis that has been put forward is that bilingual teachers, based on their experience in teaching language and content simultaneously, develop and use detailed geographical language awareness and intensive methods of language support. To structure the study, a theoretical model of the linguistic requirements in geography education was developed. The empirical work of the thesis is based on methodical triangulation (Denzin, 1970) and consists of 16 semi-structured expert interviews of bilingual geography teachers, a quantitative and qualitative textbook analysis of bilingual geography schoolbooks and a case study on the effectiveness of peer feedback, a method used by teachers in bilingual geography teaching, for language-aware monolin-gual geography settings. The results of the interviews show that the bilingual teachers reflect intensively on the language requirements in their lessons and articulate detailed goals. Just like text-books, they use an extensive arsenal of strategies and approaches, e.g. in the areas of visual support in structuring materials and tasks, language mediation and cooperative language feedback, for lan-guage support in geography. However, the analysis of the textbooks also shows that there is a need for optimisation in modern and competence-oriented geography lessons. One of the support measures identified in bilingual teaching is cooperative writing feedback or peer feedback, which was evaluated in more detail in the case study with regard to its significance for "normal" geography lessons. Cooperative writing feedback proves to be an innovative and successful method for the promotion of (subject-specific) writing competence both in bilingual geography lessons and in empirical, international research (e.g. Evagorou & Osborne, 2013, Breidbach & Viebrock, 2012, p. 7ff.; Morawski & Budke, 2017). In the last article of the cumulative dissertation, the research project therefore addresses the question of how pupils can improve their argumentation texts on an inter-cultural, political-geographical problem at (subject-specific) levels of language and at the level of argumentation quality via interaction through cooperative writing feedback. The results show that this is a successful exploration, as most pupils improved spelling and grammar, the quality of the arguments and the quality of the argumentative text in terms of subject language. However, there are differences in the degree and type of improvements, in the acceptance and type of implementation of peer feedback. The results identified show great potential for using and further exploring peer feedback as a means of promoting written argumentation in geography and related subjects. In addition to information on media development through the textbook analysis and the results of the interviews, these results can be used as a pool of methods and strategies to create extensive language support opportunities for geography teachers in monolingual and lan-guage-aware geography lessons. The empirical work serves, and this is the great added value, thus for the preparation of linguistic promotion strategies in bilingual teaching. Of course, the respective content and social context as well as the grade level must be differentiated from the teachers in terms of language requirements.English
Creators:
CreatorsEmailORCID
Morawski, Michaelmichael.morawski@gmx.deUNSPECIFIED
URN: urn:nbn:de:hbz:38-97834
Subjects: Social sciences
Political science
Education
Language, Linguistics
Natural sciences and mathematics
Geography and history
Uncontrolled Keywords:
KeywordsLanguage
Sprachbewusster FachunterrichtUNSPECIFIED
Bilingualer GeographieunterrichtUNSPECIFIED
ArgumentationUNSPECIFIED
Faculty: Faculty of Mathematics and Natural Sciences
Divisions: Faculty of Mathematics and Natural Sciences > Department of Mathematics and Science Education > Institute of Geography Education
Language: German
Date: 2019
Date of oral exam: 25 October 2018
Referee:
NameAcademic Title
Budke, AlexandraProf. Dr.
Ziemen, KerstinProf. Dr.
Kanwischer, DetflefProf. Dr.
Refereed: Yes
URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/9783

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