Stumm, Verena (2019). Untersuchung der Faktorenstruktur des Schedule of Attitudes toward Hastened Death (SAHD) im internationalen Vergleich sowie die testtheoretische Absicherung des SAHD – Deutsche Version (SAHDD) zur Entwicklung einer Kurzversion. PhD thesis, Universität zu Köln.

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Abstract

Der Wunsch nach einem beschleunigt eintretenden Tod (WTHD) ist ein Phänomen, dass seit dem Auf- und Ausbau der Hospizkultur und der Einrichtung von palliativ-medizinischen Stationen in den Fokus der Forschung gerückt ist (Gerhard, 2015). Die Erkundung seiner multifaktoriellen Ätiologie steht hierbei im Vordergrund (Vgl. u. a. Balaguer et al., 2016). Die Einschätzung der Stärke des WTHD dient in der Praxis vor allem der Behandlungsplanung bei Palliativpatienten. Der WTHD wird oftmals im Kontext soziokultureller Themen diskutiert (Rodríguez-Prat et al., 2018). Der Schedule of Attitudes Toward Hastened Death (SAHD) ist aktuell das einzige Messinstrument zur quantitativen Selbsteinschätzung des WTHD in Forschung und Behandlung (Bellido-Pérez et al., 2016). Er ist in sechs Sprachen übersetzt und kommt neben europäischen Ländern auch in den USA und Asien zum Einsatz (Bellido-Pérez et al., 2016). Der SAHD besteht aus zwanzig Items mit einem dichotomen Antwortformat. Die Befundlage zur faktoriellen Struktur des SAHD ist bis dato inkonsistent (Vgl. u. a. Rosenfeld et al., 1999; Villavicencio-Chávez et al., 2014; Galushko et al., 2015). Diese Arbeit untersucht im Rahmen einer ersten Studie die faktorielle Struktur des SAHD im interkulturellen Vergleich. Hierzu standen eine Stichprobe aus Amerika, eine aus Deutschland sowie eine aus Spanien zur Verfügung. Die Untersuchungen mittels explorativer Fatorenanalysen (EFA) ergaben eine zweifaktorielle Struktur für vierzehn Items des SAHD. Diese überarbeitete Version wurde mittels konfirmatorischen Faktorenanalysen (CFA) inferenzstatistisch überprüft. Hierbei zeigte sich, dass die zweifaktorielle Struktur für alle Länder einzeln bestätigt werden kann. Das Ergebnis des Mehrgruppenvergleichs zur gemeinsamen Betrachtung der Stichproben ergab ein signifikantes Ergebnis. Somit kann nicht von einer gemeinsamen Struktur der Daten zum SAHD über die Landesstichproben hinweg ausgegangen werden. Trotz einer über die Länder hinweg entdeckten zweifaktoriellen Struktur des SAHD, scheinen Unterschiede zwischen den Gruppen vorhanden zu sein. Neben soziokulturellen Aspekten kann auch die Heterogenität der einzelnen Stichproben eine Rolle spielen. Die deutsche wie auch die spanische Stichprobe bestehen ausschließlich aus Krebspatienten. Die Stichprobe aus Amerika inkludiert neben Krebspatienten auch HIV-/ Aids-Patienten. In der zweiten Untersuchung dieser Arbeit wird eine Kurzversion für den deutschen SAHD abgeleitet. Solche Kurzversionen liegen für die amerikanische wie auch die spanische Fassung des SAHD bereits vor (Vgl. Kolva et al. 2017; Monforte-Royo et al., 2017). Die Kurzversion soll die Belastung für die befragten Patienten minimieren und gleichermaßen vergleichbare Ergebnisse wie die Originalversion liefern. Hierzu wurde aus den Ergebnissen der ersten Studie eine überarbeitete Fassung der deutschen Version des SAHD entwickelt (SAHDD-14) und mit einem Ansatz der klassischen Testtheorie überprüft. Es zeigen sich gute Itemkennwerte wie auch erste Hinweise, dass gute Gütekriterien für das Messinstrument vorliegen. Aus den Untersuchungsergebnissen und auf Basis inhaltlicher Aspekte wurden mögliche Modelle für eine Kurzversion des SAHD abgeleitet. Mit Hilfe faktorenanalytischer Untersuchungen wurden diese Modelle zunächst explorativ und dann mittels CFA inferenzstatistisch überprüft. Es liegt nun der SAHDD-6 vor. Diese deutsche Kurzversion des SAHD behält eine zweifaktorielle Struktur bei. Die Itemkennwerte sind insgesamt gut. Wie zu erwarten sinken bei der Verkürzung der Skalen die Werte für die Reliabilität. Die Untersuchungen zur Validität zeigen eine gute Übereinstimmung mit dem SAHDD-14. Neben einer umfangreichen Begutachtung der faktoriellen Struktur des SAHD liegt nun auch eine überarbeitete Fassung des deutschen SAHD (SAHDD-14) sowie eine Kurzform für den deutschen SAHD (SAHDD-6) zum Einsatz vor. Zu beachten sind an dieser Stelle ein paar Limitationen dieser Untersuchung. An einigen Stellen mussten methodische Entscheidungen getroffen werden, die zu den hier vorliegenden Ergebnissen führen. Neben der Wahl der zu verwendenden Korrelationkoeffizienten wurden auch bei der Wahl der Schätzmethoden im Rahmen der faktorenanalytischen Untersuchungen methodische Entscheidungen getroffen. Es liegen zwar für jede Entscheidung empirische Belege vor, die diese stützen, dennoch hätte an einigen Stellen auch anders entschieden werden können. Ein weiterer Diskussionspunkt ist der Einsatz der Stichproben. Zum einen sind die Stichproben über zehn Jahre alt (Vgl. u. a. Rosenfeld et al., 1999; Villavicencio-Chávez, 2014; Galushko et al., 2015). Das ist bei einem Konstrukt im Spannungsfeld der sich verändernden (Palliativ-)Medizin kritisch zu bewerten. Des Weiteren wurden die Stichproben für alle Berechnungen verwendet. Hierbei schlägt die Literatur aber vor nicht die gleichen Stichproben für die EFA und CFA einzusetzen (Vgl. u. a. Moosbrugger & Kelava, 2008; Smith et al., 2000). Auch für die Validierung von Messinstrumenten werden Vergleichsstichproben gefordert. Da die vorliegenden Stichproben im Umfang teilweise klein waren (n < 100), wurde auf die Aufteilung der Stichproben für die einzelnen Untersuchungsschritte verzichtet. Vor weiteren Untersuchungen zur faktoriellen Struktur des SAHD scheint eine inhaltliche Überarbeitung des Fragebogens sinnvoll. Zur Entwicklung des SAHD gab es weder eine ausreichende empirische noch inhaltliche Basis zum Konstrukt WTHD. Nach der Definition des WTHD (Balaguer et al., 2016) sowie den Forschungsergebnissen der letzten drei Jahrzehnte scheint eine Neubewertung der Items und der Struktur des SAHD sinnvoll. Trotz alledem scheint der Einsatz von Instrumenten zur Erfassung des WTHD in der Praxis sinnvoll. Die Patienten fühlen sich durch Fragen zum WTHD nicht überrascht oder gar bedrängt. Vielfach werden solche Befragungen zum WTHD von Seiten der Patienten als hilfreich und entlastend beschrieben (Monforte-Royo et al., 2019).

Item Type: Thesis (PhD thesis)
Creators:
CreatorsEmailORCID
Stumm, Verenaverena.stumm@gmx.deUNSPECIFIED
URN: urn:nbn:de:hbz:38-98463
Subjects: Psychology
Medical sciences Medicine
Uncontrolled Keywords:
KeywordsLanguage
SAHDGerman
PalliativGerman
Desire for Hastend DeathEnglish
FaktorenanalyseGerman
DiagnostikGerman
Faculty: Faculty of Human Sciences
Divisions: Faculty of Human Sciences > no entry
Language: German
Date: April 2019
Date of oral exam: 19 July 2019
Referee:
NameAcademic Title
Rietz, ChristianProf. Dr.
Melzer, ConnyProf. Dr.
Refereed: Yes
URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/9846

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