Çayır, Çağıl (2018). »Runen« in Asien und Europa? Eine wissenschaftsgeschichtliche Untersuchung zur Erforschung der Frage nach dem historischen Zusammenhang alttürkischer Schrift und Runen. Bachelor thesis, Universität zu Köln.

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Abstract

Die Studie widerlegt den fatalen Irrglauben der Fremdheit der Völker und Schriften. Zugleich offenbart sich eine apokalyptische Spirale hin zu ihrer Wiedervereinigung. Somit eröffnet sich ein ebenso vielversprechendes wie umwälzendes Forschungsfeld. Der erste Teil erhellt, dass die Menschen im Mittelalter an ihre Verwandtschaft und türkische Herkunft der Runen glaubten. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken im Jahr 1453 barbarisierte die kirchliche Kriegspropaganda sie jedoch mit dem Rückgriff auf antike Quellen und führte das Konzept von Europa als »Festung« sowie den Germanenmythos als Kampfbegriff ein. Die Verherrlichung der Germanen weckte wiederum das Interesse an Runen in Skandinavien. Entgegen dem klassischen Gotizismus polarisierte bald der Rudbeckianismus die Forschung, indem er Runen zum Vorbild aller Alphabete erhob und ihre Erfindung in Schweden behauptete. Dagegen erinnerte die Entdeckung von Runen in Sibirien im 18. Jahrhundert die Gelehrten wieder an die mittelalterlichen Einwanderungssagen. Die Mehrheit der Forschenden, v. a. W. C. Grimm, bezogen die sibirischen Inschriften in die Runenforschung mit ein. Jedoch umging L. Wimmer die dahingehenden Diskurse, indem er entsprechende Funde verleugnete. Der zweite Teil beleuchtet, dass V. Thomsen die sibirischen »Runen« als Alttürkisch entzifferte, aber ihre zufällige Ähnlichkeit mit Runen vermutete. Seine Vermutung wurde dann ohne Überprüfung zur Tatsache erklärt und die Schriften voneinander ferngehalten. Dennoch beflügelte die Enthüllung der türkischen Geschichte den Selbstfindungsprozess in der Türkei. Daran nahmen sich die Nationalsozialisten in Deutschland ein Vorbild, doch missachteten die alttürkische Schrift und pervertierten die Runen zum Symbol ihrer Germanenideologie. Danach erreichte die Runologie erst um die Jahrtausendwende ein neues Stadium. Nunmehr tritt die Frage nach dem historischen Zusammenhang zwischen der alttürkischen Schrift und Runen erneut und unausweichlich vor uns.

Item Type: Thesis (Bachelor thesis)
Creators:
CreatorsEmailORCID
Çayır, Çağılc.cayir@mail.deUNSPECIFIED
URN: urn:nbn:de:hbz:38-94538
Subjects: Generalities, Science
Library and information sciences
Philosophy
Paranormal phenomena
Psychology
Christian theology
Other and comparative religions
Social sciences
Political science
Customs, etiquette, folklore
Language, Linguistics
English
Germanic
Other Germanic languages
Romance languages French
Italic Latin
Other languages
Natural sciences and mathematics
Geography and history
Geography and travel
History of ancient world
Uncontrolled Keywords:
KeywordsLanguage
Wissenschaftsgeschichte; Wissenschaftstheorie; Mediävistik; Anglistik; Germanistik; Skandinavistik; Turkologie; Runologie; Mythologie; Herkunftslegenden; Kreuzzüge; Türkenkriege; Renaissance; Buchdruck; Wissenspolitik; Angulus-Syndrom; Germanenmythos; Germanenideologie; Piccolomini; Pius II.; Magnus; Messenius; Rudbeck; Karl XI.; v. Sparwenfeld; Sibirien; Peter der Große; Messerschmidt; v. Strahlenberg; Mallet; Lagerbring; Suhm; v. Hagenow; Geeijer; Liljegren; v. Schlözer; Worsaae; Wimmer; Wilsner; Sjögren; Sjöborg; Grimm; Rommel; Spassky; Abel-Remusat; Klaproth; Ritter; Hegel; v. Humboldt; Herder; Wimmer; Thomsen; Pallas; Katharina II.; Glaubenskrieg; Imperialismus; Patriotismus; Nationalismus; Rassismus; Ideologie; Phänomen; Nationalsozialismus; Globalgeschichte; Grundlagenforschung; Weltkriege; Weltfrieden; Türkei; Atatürk; Odin; Wotan; Odhan; Gott; Weltenbaum; Völkerverständigung; Geistesgeschichte; KulturgeschichteGerman
Faculty: Faculty of Arts and Humanities
Divisions: Faculty of Arts and Humanities > Historisches Institut
Language: German
Date: 2018
Date of oral exam: 2018
Referee:
NameAcademic Title
Elvert, JürgenProf. Dr.
Ubl, KarlProf. Dr.
Refereed: Yes
URI: http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/9453

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